Rheurdt: Sondereinsatz an der A 40 in Rheurdt

Rheurdt : Sondereinsatz an der A 40 in Rheurdt

Zusammen mit anderen Behörden überprüfte die Autobahnpolizei Düsseldorf am Rastplatz Neufelder Heide Lastwagen und ihre Fahrer. Im Regierungsbezirk starben 2017 sieben Menschen bei Autobahn-Unfällen, die von Lkw verursacht wurden.

Zumindest die Zahlungsmoral stimmte bei dem Chef einer Spedition aus Horst bei Venlo. In einem dicken Audi fuhr er gestern Mittag auf dem Rastplatz Neufelder Heide an der A 40 vor, um 750 Euro an die Polizei abzudrücken. Die hatte einen seiner Lkw-Fahrer kurz vorher kontrolliert und festgestellt, dass dieser seine Lenk- und Ruhezeiten nicht ordnungsgemäß dokumentierte - der digitale Fahrtenschreiber hatte über mehrere Tage nichts aufgezeichnet. Es wäre die Pflicht des Spediteurs gewesen, den Fahrtenschreiber regelmäßig zu überprüfen. Und der Fahrer selbst? "Er muss außerdem 250 Euro selbst zahlen", sagte Georg Leurs vom Verkehrsdienst der Autobahnpolizei Moers, der den Fahrtenschreiber am Computer ausgelesen hatte.

Die Autobahnpolizei nahm auf dem Rastplatz Lkw-Fahrer und ihre Fahrzeuge in den Blick. Die A 40 ist Lkw-Transitstrecke zwischen Osteuropa und den Beneluxländern, der Anteil der Lkw am Verkehr ist hier, kurz vor der holländischen Grenze, hoch. Neben Polizisten waren an der Kontrolle Gefahrgut-, Abfall- und andere Experten der Bezirksregierung, außerdem Vertreter des Bundesamts für Güterverkehr sowie der Bundespolizei beteiligt - insgesamt rund 60 Beamte. Es war der dritte Sondereinsatz dieser Art, berichtete Ekkehard Oberbeckmann, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Kontrollstelle. Anlass boten schwere Unfälle unter Lkw-Beteiligung im vergangenen Jahr.

Die Autobahnpolizei Düsseldorf ist für 700 Autobahnkilometer im Regierungsbezirk zuständig. Sie zählte im Jahr 2017 insgesamt 150 von Lastwagen verursachte Unfälle - mit sieben Toten, 52 schwer- und 163 leicht verletzten Personen. Dabei seien Lkw nicht wesentlich häufiger als Pkw an Unfällen beteiligt, sagte Oberbeckmann. Aber wegen der Größe und Schwere der Fahrzeuge seien die Unfallfolgen schlimmer. "Wenn ein Lkw am Stauende auffährt, ist das so, als würde ein Pkw mit 500 km/h auffahren."

Überprüft wurden gestern zum Beispiel auch die Höhen der Lastwagen. Maximal vier Meter sind erlaubt, doch es gebe Speditionen, die das Dach des Aufliegers "hochfahren", um die Ladekapazität zu erhöhen. "Solche Fahrzeuge ziehen wir sofort aus dem Verkehr", sagte Oberbeckmann. Solch Schicksal widerfuhr gestern auch einem Anhänger mit Bauelementen, den ein Mann mit einem Kleintransporter gezogen hatte. Die Ladung war kaum gesichert, der Anhänger ungeeignet, zu allem Überfluss hatte der Fahrer keinen Führerschein dafür. Eine lose Ladung wird bei einem Auffahrunfall zum Geschoss. Im vergangenen Jahr sei ein Fahrer bei einem Unfall von der nach vorne gerutschten Ladung erschlagen worden, erzählte Oberbeckmann.

Bereits am Dienstag und Mittwoch gab es Kontrollen an anderen Autobahn-Abschnitten. Ein Auszug aus der Bilanz der beiden Tage: 281 Mal hatten Fahrer Abstände nicht eingehalten, 19 Mal wurde am Steuer telefoniert, 40 Fahrer hielten die Lenk- und Ruhezeiten nicht ein, 22 hatten ihre Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert, vier hatten keinen Führerschein, drei waren nicht angeschnallt.

Betrunken wurde niemand am Steuer erwischt. Dennoch wusste André Hartwich, Pressesprecher der Autobahnpolizei, gestern von Alkohol-Exzessen zu berichten. Neulich habe man einen volltrunkenen Fahrer schlafend in seinem Lkw vorgefunden, der laut Fahrtenschreiber erst wenige Minuten vorher angehalten hatte. "Er hatte drei Promille, die konnte er sich nicht so schnell angetrunken haben."

Dagegen war das, was sich ein blutjunger Fahrer gestern leistete, harmlos. Die Polizei hielt ihn mit seinem rumänischen Zugfahrzeug samt österreichischem Anhänger an und stellte fest, dass er barfuß am Steuer saß. Die Beamten beließen es bei einer Ermahnung und erlaubten dem Jüngling die Weiterfahrt. Natürlich mit Schuhen.

(RP)
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