Moers: Soldat erzählt von seinem Trauma "Irak-Krieg"

Moers : Soldat erzählt von seinem Trauma "Irak-Krieg"

Der Dokumentarfilm "Joe Boots" gab gestern einen Ausblick auf das zweite "Doxs!-Festival" im November in Moers.

"Ich hatte unkontrollierte Gefühlsausbrüche", erzählt Joe Boots am Anfang des Filmes auf Amerikanisch. "Ich war besessen von Zorn, Eifersucht und Wut." Der 33-jährige Amerikaner läuft durch Pittsburgh, einer "Steelcity in Pennsylvania", wie er sie nennt, in der die "working class", Stahlkocher und Bergleute, im West der USA leben. Die anderen Menschen bewegen sich nur im Zeitlupentempo. Sie scheinen vor alten Industriehallen fast eingefroren zu sein, so wie seine Emotionen, die nur ab und zu ausbrechen, so wie Lawinen, die urplötzlich einen Berg herunterstürzen.

So beginnt der Dokumentarfilm "Joe Boots", in dem der gleichnamige Pittsburgher sein Leben erzählt, das richtig begann, als er sich nach dem Anschlag auf das World-Trade-Center in New York am 11. September 2001 entschloss, Soldat zu werden, um nach sechs Jahren bei den GI's und schrecklichen Erfahrungen im Irak-Krieg traumatisiert aus dem amerikanischen Militär auszuscheiden. Weil er seine Geschichte so hautnah, kühl und ungeschminkt erzählt, lässt er bei den Zuschauern Gefühle und Fragen aufkommen.

Gestern Abend wurde der Film vor Elftklässlern in der Aula des Gymnasiums Filder Benden gezeigt. Protagonisten des 30-minütigen Films Regisseur Florian Baron hatten ihr Kommen zugesagt. Schließlich ist das "Nachkarten" die Besonderheit des Doxs!-Festivals Ruhr, auf das die gestrige Vorführung in Moers ein Vorgeschmack geben wollte - wie auch die Vorführung am morgigen Freitag für Elftklässler des Adolfinums und des Grafschafter Gymnasiums. "Es ist nicht nur ein Film", unterstreicht Gudrun Sommer.

"Hinterher wollen die jungen Zuschauer darüber reden." Sie ist Leiterin des Duisburger "doxs! Ruhr Festivals", das vom 5. bis 11. November zum 17. Mal läuft und als größtes mitteleuropäisches Kurzfilmfestival gilt. Neben Duisburg sind sechs weitere Städte in der Metropolregion Ruhr dabei, zum zweiten Mal Moers. "Die Premiere im November 2017 ist geglückt", freut sich Gudrun Kanacher, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums Filder Benden. Schnell fanden sie und Schulleiter Arndt van Huet Unterstützer, um Moers Spielort werden zu lassen: die Volksbank Niederrhein, den Lion Club Moers und die Stadt Moers.

"Ihre Begeisterung hat uns angesteckt", sagt Volksbank-Pressesprecher Kurt Kröll stellvertretend für die Sponsoren. "Für die Jugendlichen ist das Thema von ungeheurer Relevanz, weil sie selbst vor der Entscheidung stehen, eventuell zum Militär zu gehen." Eingebunden ist die Filmvorführung in eine Otto-Pankok-Ausstellung, weil der niederrheinische Maler und Holzschnittdrucker ebenfalls seine traumatischen Kriegserlebnisse künstlerisch verarbeitete. Für Joe Boots ist er ein Seelenverwandter.

"Er ist am 10. Oktober 1966 gestorben", sagt er. "Ich bin am 10. Oktober 1984 geboren.

(RP)
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