Moers: Siebtklässler trainieren Sozialkompetenz

Moers: Siebtklässler trainieren Sozialkompetenz

Viel Lärm machte die Jugendlichen krank. Stille und Konzentration lassen sich aber trainieren, so die Erfahrung an der Rheinkamper Anne-Frank-Schule bei den 14-Jährigen.

Über der Klasse 7b der Anne-Frank-Gesamtschule liegt Stille. Das Sozialkompetenztraining, das die 20-köpfige Klasse macht, setzt mit der Anfangsübung auf nonverbale Kommunikation. Der Blick reicht, die Verständigung läuft. Der Ball, der dabei eine Rolle spielt, wird geworfen und gefangen. Faktoren wie kulturelle Unterschiede, Religionszugehörigkeit oder Aussehen sind völlig ausgeblendet und eher im gesellschaftlichen Bereich angesiedelt. "Uns geht es um die vorurteilsfreie Kommunikation und eine angstfreie Begegnungskultur", sagt Trainerin Gordana Petrinic vom Institut für Verbindungsarbeit und Sozialkompetenz.

Der Lärmpegel in der Vergangenheit war wesentlich höher, der Ton untereinander rauer, sagt auch Klassenlehrerin Astrid Hüsch. Die Folgen in der Klasse ließen nicht auf sich warten. Konzentrationsmangel, Frust, Aggression, nachlassende Aufmerksamkeit, fortschreitendes Desinteresse am Unterricht und infolgedessen Leistungsschwäche. "Wir hatten keine Lust zu lernen und haben den Lehrern nicht mehr zugehört", beschreibt die Klasse 7b die Ausgangssituation. "Bedenklich vor allem die gesundheitlichen Folgen. Die Jugendlichen klagten aufgrund des Lärms über Kopfschmerzen", sagt Petrinic.

Die Folgen für die Lehrkräfte blieben ebenfalls nicht aus. Nach den Osterferien startete das Sozialkompetenztraining. "Wir müssen präventiv arbeiten, um die hohen gesundheitlichen Risiken, die Lärm verursacht, runterzufahren", so die Trainerin. Die Jugendlichen lernten, sich zu fokussieren, erfuhren, wie Stille im Gegensatz zum Lärm sich in ihrem Schulalltag bemerkbar macht. Vor allem der respektvolle Umgang miteinander, scheint zu fruchten, wie auch aus Schülermund zu erfahren ist. "Sie sind dankbar für die Achtsamkeitsübungen und wissen, dass Konflikte anders lösbar sind", sagt Petrinic.

Die Trainingseinheiten beginnen beinahe lautlos, wenn der Stuhlkreis zusammengestellt wird, die Jugendlichen auf den regelmäßigen Abstand der Stuhle achten. "Alles soll, alles muss trainiert werden", so Petrinic. Die Einheiten Ruhe, Konzentration, Form des Stuhlkreises und Ordnung bekommen Noten. Mohammed (13) schreibt sie auf. Mittlerweile macht das Training an der Schule Furore. Andere Klassen sind neugierig und wünschen sich ebenfalls eine Trainingseinheit. Neues Wissen und frische Erfahrungen trägt Hüsch in andere Klassen. "Es funktioniert auch dort", so ihre Erfahrung. Vor allem das Erlebnis, dass Lernen in diesem Klassenklima angenehmer ist, gehört zur nachhaltigen Erfahrung, wie Aylin (14) bestätigt. "Eine Grundstimmung soll sich verbreiten. Das Umgangsniveau muss sich etablieren", sagt Petrinic.

Für Michael Murmann, didaktischer Leiter, ist das Projekt ein richtiger Schritt, bei dem die Jugendlichen mit Übungen, Spielen und reflektierenden Gesprächen sich als Gemeinschaft intensiv wahrnehmen, sich achten und akzeptieren. Die Klasse 7b hat den Anfang gemacht. "Das Training ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet", so Murmann. Möglich wurde die Einheit durch die Stiftung Niederrheinischer Bürger der Sparkasse am Niederrhein. Einen Eindruck machte sich gestern der Vorstand Giovani Malaponti. "Wir fühlen uns besser", so die Klasse 7b.

(sabi)