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Sexuelle Übergriffe: Gericht in Moers verhängt Bewährung gegen 20-Jährigen

Moerser vor Gericht : Sexuelle Übergriffe: Angeklagter darf sich bewähren

Der 20-Jährige hat Frauen belästigt und angegriffen. Jetzt darf er zwei Jahre lang nicht straffällig werden, er muss ambulant oder stationär der Behandlung seines Alkoholkonsums und der posttraumatischen Belastung unterziehen. Sonst droht ihm eine Haftstrafe.

Entscheidung im Verfahren gegen einen 20 Jahre alten Mann: Das Gericht hielt ihn des sexuellen Übergriffes in zwei Fällen, der sexuellen Belästigung, der versuchten Nötigung in zwei Fällen und der Körperverletzung für schuldig. Die Entscheidung zur Verhängung einer Jugendstrafe wurde zur Bewährung und unter Auflagen auf zwei Jahre ausgesetzt. Der Mann darf in der Zeit nicht straffällig werden, er muss ambulant oder stationär der Behandlung seines Alkoholkonsums und der posttraumatischen Belastung unterziehen.

Die Vertreterin der Anklage plädierte dafür, das Jugendstrafrecht anzuwenden, ihn wegen sexueller Nötigung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung in insgesamt fünf Fällen zu zwei Jahren ohne Bewährung zu verurteilen und in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Der Verteidiger hatte erhebliche Zweifel an den Aussagen von drei Opfern angemeldet, plädierte in einem vierten Fall für Freispruch seines Mandanten, der die Vorwürfe stets bestritten hatte. Nur den Überfall auf eine junge Frau, die am 26. Oktober 2019 frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit war und die er nach schlafloser Nacht und reichlich Alkoholgenuss von hinten angegriffen hatte, den hatte er vor Gericht zugegeben und sich bei dem Opfer entschuldigt: „Das tut mir fürchterlich leid“.

Den Überfall auf die junge Frau begründete der 20-Jährige damit, dass ihn ihre Silhouette an eine Betreuerin in einem Heim in Braunschweig erinnerte, in das er im Alter von knapp einem Jahr nach dem Tod der alkoholkranken Mutter gekommen war. Die Betreuerin, sagte der Angeklagte, habe ihn als Kind immer wieder sexuell missbraucht und geschlagen.

Die Frau sagte vor Gericht, der Angeklagte habe sie von hinten umfasst, sie habe etwas Metallisches am Hals gespürt. Sie habe sich gewehrt, dabei seien beide zu Boden gegangen. Als sie geschrien habe, habe der Angeklagte von ihr abgelassen. Die junge Frau erstatte Anzeige – und erst im Zuge der Ermittlungen in diesem und einem weiteren Fall vier Wochen vorher sind drei Fälle aktenkundig geworden, die sich ein Jahr vorher zugetragen haben sollen: Die sexuellen Übergriffe an seiner schlafenden ehemaligen Lebensgefährtin und gegen die Freundin seiner damaligen Partnerin, die beide nach einem Besuch mit gemeinsamen Freunden in der Trampolinhalle in Duisburg bei ihm auf dem Sofa genächtigt hatten. Außerdem die Freiheitsberaubung einer jungen Frau, die er daran gehindert haben soll, sein Zimmer zu verlassen, indem er sie an die Wand drückte. Die drei Opfer hatten keine Anzeige erstattet – aus Scham und weil sie sich dreckig, eklig gefühlt habe, schilderte ein Opfer im Zeugenstand.