Neukirchen-Vluyn: Selbstbestimmt leben

Neukirchen-Vluyn: Selbstbestimmt leben

Die KoKoBe bietet kreisweit Menschen mit Behinderungen Freizeittipps in einem informativen Veranstaltungskalender an. Die momentan fünf Beratungsstellen geben Hilfe zur selbstständigen Lebensführung.

Wenn Almasa Sinanowitsch von ihrer Freizeitgestaltung erzählt, schwingt wahre Begeisterung mit. Die sehbehinderte Frau nutzt in Moers-Meerbeck den offenen Treff der KoKoBe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote). "Ich freue mich sehr auf die Veranstaltungen, die für mich ein Ausgleich zum Arbeitsleben sind", meint sie. Mit Bastel- und Kochangeboten oder anderen Freizeitaktivitäten lässt sie ihren Tag ausklingen. "Seine freie Zeit soll man nutzen und nicht zuhause alleine bleiben", lautet ihr beherzter Rat an Menschen mit Behinderungen. Die Tipps zur Freizeitgestaltung entnimmt sie dem aktuellen KoKoBe-Kalender, den sie in ihren Computer eingescannt hat und der ihr vorgelesen wird.

Der Freizeitkalender ist nur ein Element, das Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht und hilft, ihre Lebensqualität zu steigern. Freundschaften haben sich entwickelt, "und bei den Treffen erfahre ich von anderen Menschen viel Neues", bestätigt Almasa. Seit fünf Jahren bieten sechs Beratungsstellen im Kreis Wesel KoKoBe für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung an. KoKoBe ist etabliert, das Netzwerk ist bereits feinmaschig. Der Austausch wie das Prinzip der kleinen Wege funktionieren über den Kreis hinaus auch mit anderen Institutionen. Die KoKoBe ist im Kooperationsverbund mit anderen Trägern.

"Rund 100 Beratungen haben wir pro Jahr vor Ort", erzählt der Heilpädagoge Eckhard Wolf, der sein Büro in der Bruchstraße in Neukirchen hat. Die Nachfrage nach professioneller Hilfe ist kontinuierlich gewachsen. Trägerneutrale Information steht im Vordergrund. Er begleitet Ratsuchende in verschiedenen Lebensfeldern wie das Vluyner Ehepaar Bettina und Rolf Jung. Die gesetzliche Betreuung ist Rolf Jung ein Anliegen, "denn meine Eltern sind schon älter", meint er.

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Die Schwerpunkte der KoKoBe liegen in den Bereichen Arbeit, Beschäftigung und Wohnen. "Wir koordinieren alle Kontakte und bewegen viel", meint die Weseler Kollegin Helga Lippach.

Eckhart Wolf hilft unter anderem bei der Beratung von Hilfsmitteln oder ambulanten Hilfen, koordiniert über Hilfepläne den Umzug für Jugendliche in ein betreutes Wohnangebot. Die Moerser Kollegin Brigitte Klostermann mit den Bereichen Arbeit und Beschäftigung kümmert sich um "passgenaue" Arbeitsverhältnisse, die zum Beispiel die Jugendwerkstatt CJD, SCI oder das Modell Anja anbieten.

Auch die Freizeitgestaltung, übersichtlich in zweiter Ausgabe als Veranstaltungskalender veröffentlicht, gehört dazu. "Das kostenfreie Angebot richtet sich an Menschen, die selbstständig wohnen oder es anstreben", erläutert die Pädagogin die Zielgruppe. Selbst der Transport zu den Veranstaltungen wird geregelt.

(RP)