Mit Heiko Haaz: Seiteneinsteiger können Denkanstöße geben

Mit Heiko Haaz : Seiteneinsteiger können Denkanstöße geben

Der 49-Jährige strebt in diesem Jahr den Vorsitz der CDU Neukirchen-Vluyn an. Zur Kommunalpolitik hat er vergleichsweise spät gefunden.

Herr Dr. Haaz, Sie sind relativ spät Kommunalpolitiker geworden. Was war der Anlass?

Heiko Haaz Volker Wilke, der Ehemann von Ratsfrau Claudia Wilke, hatte mich angesprochen, ob ich Interesse hätte, mich in der CDU zu engagieren. Zur gleichen Zeit hat mich übrigens Elke Buttkereit, die heutige SPD-Ortsvorsitzende, gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in die SPD zu gehen.

Wie kamen Sie zur CDU?

Haaz Ein Jahr lang habe ich jede Sitzung in unserer Stadt besucht, Rat und Ausschüsse, um mir ein Bild zu machen. Vorher habe ich wenig über die Arbeit in den Gremien gewusst. Nach diesem Jahr habe ich mich dann für die CDU entschieden und zunächst als sachkundiger Bürger in der Fraktion angefangen.

Hatten Sie sich vorher schon in der Öffentlichkeit engagiert?

Haaz Ja, das war für mich nicht neu. Ob in der Elternpflegschaft oder in verschiedenen Fördervereinen, ich habe mich gern ehrenamtlich eingesetzt.

Sie sind ein Seiteneinsteiger, der beispielsweise nie Mitglied der Jungen Union war. Ist dieser fehlende "Stallgeruch" von Nachteil?

Haaz Ein Nachteil zu Beginn war sicher, dass mir das Netzwerk fehlte, das viele Parteikollegen über die Jahre hinweg aufgebaut haben. Andererseits kann man als Seiteneinsteiger wertvolle Erfahrungen mitbringen und vielleicht als Querdenker Anstöße geben.

Kam das Angebot, für den Vorsitz des Ortsvereins zu kandidieren, für Sie überraschend?

Haaz Nun, es war abzusehen, dass Generationswechsel an der Spitze des Ortsverbandes und der Fraktion bevorstanden. Klaus Plonka hat mich gefragt, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte. Ich habe zugesagt, aber unter einer Bedingung. Ich sagte: "Lass mich ein Jahr lang in die Lehre gehen." Das tue ich zurzeit, und die Zusammenarbeit klappt hervorragend.

Wann steht die Wahl des neuen Vorsitzenden an?

Haaz Nach der Kommunalwahl. Ich hoffe natürlich, dass die Mitglieder mir ihre Stimme geben.

Ist ein anderer Kandidat oder eine Kandidatin in Sicht?

Haaz Bislang habe ich nichts gehört.

Welche Themenfelder interessieren Sie besonders?

Haaz Als Wirtschaftswissenschaftler interessiere ich mich natürlich für das Thema Finanzen. Das bleibt das A und O bei allen Vorhaben, über die wir Politiker vor Ort debattieren. Angesichts der Haushaltslage in Neukirchen-Vluyn wird uns dieser Punkt noch intensiv beschäftigen. Als Vater eines 15-jährigen Sohnes interessiere ich mich auch sehr für das Thema Bildung. Zurzeit läuft ja die Elternbefragung zur geplanten Gesamtschule in unserer Stadt. Das ist ein Projekt, das ich begrüße, weil wir den Schülern und Eltern dann im Bildungsbereich mehr anbieten können.

Sie haben als Selbstständiger einen Beruf, der viel abverlangt. Hatten Sie keine Bedenken, noch ein wichtiges politisches Amt anzustreben?

Haaz Natürlich habe ich mit meiner Familie darüber gesprochen. Aber die politische Arbeit sehe ich nicht als eine zusätzliche Belastung, sie macht mir Freude.

Sind Sie eher der ausgleichende oder der durchsetzungswillige Typ?

Haaz (lacht) Als ich gefragt wurde, ob ich mich politisch engagieren würde, war ich anfangs überrascht und dachte mir: Du bist nicht immer diplomatisch, du sagst oft heraus, was du denkst. Aber ich bin keinesfalls der Typ, der mit "Order per Mufti" arbeitet. Da hat mich mein Beruf geprägt, in dem Kommunikation und Kooperation entscheidend sind.

Gibt es einen Politiker, der Sie beeindruckt hat, dem Sie nacheifern möchten?

Haaz Da möchte ich Wolfgang Bosbach nennen. Ich hatte das Glück, ihn kennenlernen zu dürfen. Mir imponiert, dass er authentisch geblieben ist und zu seinen Überzeugungen steht.

Stefan Gilsbach führte das Gespräch

(RP)