Seit zehn Jahren ist Moers „Wellcome-Standort“.

Ehrenamt in Moers: Familien-Engel helfen den Eltern

Seit zehn Jahren ist Moers „Wellcome-Standort“. Die  Unterstützung nach der Geburt nehmen Familien wahr.

Nils und Regina verstehen sich prächtig. Regina Schwarz ist ehrenamtlicher „Wellcome“-Engel bei der Grafschafter Diakonie. Nils ist ein anderthalbjähriger Knirps mit drei älteren Brüdern. „Ich habe zum zweiten Mal die praktische Hilfe nach der Geburt in Anspruch genommen“, sagt Mutter Cerstin Schmidt-Kersten. Die familiäre Unterstützung ist auf gut ein Jahr begrenzt. „Gerade nach einer Geburt stellt sich eine Familie neu auf. Jeder sucht seinen Platz“, sagt Schmidt-Kersten. Während sie sich um den Jüngsten kümmerte, eroberte Regina Schwarz einmal in der Woche mit den anderen drei Kindern den Spielplatz.

Wie die Zeit genutzt wird, ist individuell. Das kann die Begleitung zum Arzt sein oder jeder andere Termin. Hauptsache war für die vierfache Mutter die geschenkte Zeit und eine Atempause. „Regina war mir eine große Hilfe. Nach der Geburt entwickelte Nils eine Kuhmilchallergie, so dass ich neben dem Haushalt mit Arztbesuchen ganz anders gefordert war“, sagt Cerstin Schmidt-Kersten.

Zwei Stunden Entlastung und Vorfreude auf den nächsten Dienstag herrschte vor, wenn sich Wellcome-Engel Regina verabschiedete. Karola Haderlein koordiniert den Einsatz der Ehrenamtlichen in den Familie, führt Vorspräche, organisiert. Alle Fäden laufen bei ihr zusammen. „Uns geht es bei der modernen Nachbarschaftshilfe um die Vermittlung von niederschwelligen Hilfen für Familien und Alleinerziehende. Für alle eine Win-win-Situation“, sagt die Koordinatorin.

Die neue Situation, beispielsweise bei Mehrlingsgeburten, Erkrankungen oder fehlendem familiären Netz, kann zur Überforderung führen. Vielfach wohnen Familienangehörige weit entfernt, sind selber pflegebedürftig oder beruflich stark eingespannt, wie Schmidt-Kerstens Mann, der im Schichtdienst arbeitet. Regina Schwarz, selbst Mutter, weiß um familiäre Belange, hilft, bringt die nötige Distanz mit. „Mir wird großes Vertrauen entgegen gebracht, denn eine Mutter vertraut mir das Wertvollste an, nämlich ihre Kinder“, so Regina Schwarz.

  • KOPF der Woche : Wellcome – Hilfe für junge Familien

Sie ist einer von 15 Familienengeln bei der Grafschafter Diakonie. Als vor zehn Jahren das bundesweite Projekt an 230 Standorten startete, konnte niemand den Erfolg absehen, sagt Jürgen Voß, Sozialer Dienst Grafschafter Diakonie. „Den Projektstatuts haben wir nicht mehr.“

Gelder kommen von der Niederrheinischen Diakoniestiftung, Klartext für Kinder, Bundesmittel Frühe Hilfen der Städte Moers und Rheinberg sowie über Spenden. Wellcome ist Teil der frühen Hilfen und für alle Familien da, egal, welchen sozialen Status sie haben. Zehn Euro kostet die Vermittlung, die Einsatzstunde bis zu fünf Euro. Geld, um Versicherung und Fahrtkosten der Ehrenamtler zu finanzieren.

Seit der Gründung wurden 150 Familien betreut. 2017 besuchten die Familienengel 23 Familien, leisteten pro Familie 20 bis 200 Stunden Unterstützung. 65 Mal wurde um die Hilfe gefragt. Der Kreis der Ehrenamtlichen um Moers bis Alpen, Kamp-Lintfort und dem Westen Duisburgs ist Ende 30 bis Anfang 70 Jahre alt. „Wir treffen uns regelmäßig zum Austausch, trainieren Situationen oder bieten Fortbildungen an“, so Haderlein.

Kontakt Karola Haderlein, Kirchenkreis Moers, Mühlenstraße 20, Telefon 02841 7818450.

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