Moers: Seit 40 Jahren die Letzten auf der Kegelbahn

Moers : Seit 40 Jahren die Letzten auf der Kegelbahn

Einmal im Monat, von 20 bis 24 Uhr, treffen sich "Die Nachteulen" zum ehemaligen Volkssport.

Dem einstigen Volkssport Kegeln droht das Aus, so war Anfang dieses Jahres ein Artikel in unserer Zeitung betitelt. Der Kegelclub "Die Nachteulen" aber ist noch da. Seit 40 Jahren treffen sich die sieben Freunde einmal im Monat, um zu kegeln, zu klönen und lecker zu essen. "Wir sehen uns nicht als Sportkegler", sagt Horst Wilts, "die Geselligkeit unter Freunden steht bei uns im Mittelpunkt."

Das Sterben der Kegelbahnen haben die "Nachteulen" seit ihrer Gründung am 5. Januar 1978 hautnah miterlebt. Die erste Station der Kegler, die zu Beginn zu zwölft waren, war die ehemalige Gaststätte Friesen in Repelen. Im Laufe der Jahre folgten rund zehn weitere Stationen, da Kegelbahnen abgerissen oder geschlossen wurden. In Kamp-Lintfort, Rayen, Neukirchen und Kapellen waren sie - und mussten weiterziehen. Zurzeit sind sie im Haus Niederrhein an der Rheinberger Straße gelandet - praktischerweise nicht weit vom Wohnort der meisten, die in Repelen wohnen. Von dort kennen sie sich auch.

Heinz Renz und Klaus Paßmann waren schon zusammen im Kindergarten. Dieser kennt Horst Wilts aus der Grundschule. Sein Arbeitskollege Manfred Strehlau kam auch gerne hinzu. Dass die Ehefrauen mit von der Partie sind, versteht sich von selbst. Vor 40 Jahren waren am Wochenende alle Kegelbahnen in der Region ausgebucht. Also wich man auf den Donnerstagabend aus. Einmal im Monat, von 20 bis 24 Uhr. So kam es auch zum Namen "Die Nachteulen". Am nächsten Tag mussten die meisten wieder früh raus - doch das war es ihnen wert.

Bei den verschiedenen Kegelspielen haben sie bis heute viel Spaß und auch ein wenig Ehrgeiz. "Tag und Nacht" ist so ein Spiel. Wer wird als Spielpartner gezogen? Wer ist der "Blinde" der sieben, der alleine spielen muss? Bei der zweiten, fünften und siebten Runde wird das Licht auf der Bahn ausgeschaltet und man kegelt ins Dunkle - schafft man es trotzdem, die Kegel zu treffen? Oder wirft man einen "Pudel", bei dem die Kugel in der Rinne neben der Bahn landet? Dann muss zur Strafe ein Groschen gezahlt werden. Jawohl, hier gibt es ihn noch, den guten alten Groschen. Zusammen mit 10 Mark Startgeld ergibt sich an jedem Abend ein kleines Sümmchen, das natürlich heute in Euro umgerechnet wird.

"Da wir nur um kleine Beträge spielen, brauchen wir eine Weile, bis die Kasse gefüllt ist", berichtet Klaus Paßmann. Wie andere Clubs einmal im Jahr nach Mallorca, das sei nicht ihr Ziel, ebenso wenig die typische Sauftour, an die so mancher beim Stichwort "Kegeltour" denkt. Trotzdem schaut die Truppe gerne auf ihre gemeinsamen Fahrten zurück. Etwa zehnmal waren sie zusammen unterwegs. Das schönste Ziel war Fischen im Allgäu, wo die Sieben auch ihrer gemeinsamen Leidenschaft für das Wandern frönen konnten. Dort sind sie in einem Jahr in eine riesige Zeltparty hineingeraten, ein andermal haben sie sich spontan mit einem Wagen am Fastnachtsumzug beteiligt.

Viele schöne Erinnerungen hat die Truppe gesammelt, so auch an das Kinderkegeln am Sonntagnachmittag mit dem eigenen Nachwuchs. Fahrradtouren, Grillabende und natürlich Geburtstagsfeiern - das gemeinsame Hobby und viele andere schöne Erlebnisse haben die Gemeinschaft fest zusammengeschweißt. Neue Mitstreiter suchen sie mittlerweile nicht mehr. Ein paar Versuche gab es, aber es passte einfach nicht. Ans Aufhören denken sie noch lange nicht. So ein paar kleine Malessen halten die 60 bis 66-Jährigen, die inzwischen alle in Rente sind, nicht von ihrem Hobby ab. Und Freundschaft heißt es schließlich, weil man mit Freunden alles schafft. Das goldene Kegelclub-Jubiläum soll auf jeden Fall gefeiert werden. Und es gibt weitere Hoffnung für die aussterbende Sportart: Neuerdings gibt es im Haus Niederrhein wieder mehr Anfragen für die Kegelbahn - von jungen Leuten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE