Moers: Seewerk holt Anatol-Werk nach Moers

Moers: Seewerk holt Anatol-Werk nach Moers

Angelika Petri und Frank Merks haben am Mittwoch die Installation "Wachstation des Denkens gegen illegale Gewalt" des Bildhauers von Kassel nach Moers transportiert und in einer spektakulären Aktion am Ufer des Silbersees aufgestellt.

Die Äste des Walnussbaums knacken unter der Last. Blätter rieseln zu Boden. Frank Merks und seiner Helfer ziehen an Seilen, hieven hin und her, damit die "Wachstation des Denkens gegen illegale Gewalt" punktgenau unter dem lauschigen Baum auf dem Gelände des Seewerks in Kapellen zu stehen kommt.

Die zehn Tonnen schwere Installation hängt an einem Kran. Bildhauer Anatol Herzfeld lässt es sich trotz seiner 83 Jahre nicht nehmen, die Männer bei der Arbeit zu unterstützen, zieht mit an den Seilen, um sein stählernes Kunstwerk an die richtige Position zu bringen. "Für mich ist es richtig, dass es jetzt hier einen festen Standort bekommt", sagt der Künstler. Als die tonnenschwere Installation endlich fest auf dem Boden steht, ruft er: Applaus.

Für ihn ist das Seewerk in Kapellen, die ehemalige Dujardin-Fabrik, neben seinem Atelier auf der Museumsinsel Hombroich zu einer neuen Wirkungsstätte geworden. Anatol hatte die Installation 1992 für die Documenta 9 in Kassel erdacht. Gebaut wurde sie auf dem Gelände der inzwischen geschlossenen Firma Krupp-Henschel. Zuletzt stand die Wachstation vor dem Gebäude des Regierungspräsidiums in Kassel.

Der Bildhauer erinnert sich noch gut an die Zeit, als die Installation entstand: Mitte der 90er Jahre war das, Anatol war auf Europalia in Brüssel. "Ich hatte die Möglichkeit, das Fort Breendonk in Antwerpen zu besuchen. Das Lager war Zentrum der Gestapo-Aktivitäten in Belgien und Nordfrankreich bis zur Befreiung dieser Gebiete. Dort habe ich eine ähnliche Zelle gesehen, in der Menschen gefoltert worden waren. Das hat mich tief bewegt." Die Thematik des Wachens hat den Künstler und ehemaligen Polizisten immer wieder in seinem künstlerischen Werk beschäftigt.

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Die "Wachstation" bleibt dauerhaft in Moers. Der Bildhauer hat beschlossen, dass das nachdenklich machende Kunstwerk auf dem Gelände des Seewerks einen festen Standort bekommt — vis à vis zum alten Kufern-Gebäude, in dem er einen eigenen Ausstellungsraum hat. Angelika Petri und Frank Merks freut das sehr. Dem Ehepaar ist es in nur wenigen Jahren gelungen, die ehemalige Dujardin-Fabrik am Ufer des Silbersees als Ort für die zeitgenössische Kunst zu etablieren.

Die Installation, die aus 20-Millimeter-Stahl besteht, haben die beiden Seewerk-Macher auf eigene Kosten von Kassel nach Moers geholt: "Wir sind um 3.30 Uhr losgefahren. Vor dem Regierungsgebäude war alles schon für uns vorbereitet und Parkplätze gesperrt", berichtete Angelika Petri von der abenteuerlichen Unternehmung. Mit einem Sattelschlepper ging es schließlich zurück nach Moers. "Wir haben für die Rückfahrt drei Stunden gebraucht." Und dort wartete bereits der Kran.

Wie Angelika Petri berichtete, war es gar nicht so sicher, dass die "Wachstation des Denkens gegen illegale Gewalt" nach Moers kommt. Im Regierungspräsidium in Kassel gab es offenbar Pläne, diese Installation zu kaufen. "Das hat sich zum Glück zerschlagen", betont Angelika Petri. Jetzt hat Anatol die Installation dem Ehepaar aus Kapellen überlassen.

(RP)
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