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Schwierige Zeiten für Gastronomen trotz Lockerung

Corona-Krise : Gastronom: „Die Leute haben noch Angst“

Seit gut zwei Wochen dürfen Restaurants und Cafés wieder öffnen und Gäste empfangen. Doch das Geschäft läuft nur schleppend, beklagen viele Gastronome.

Die Auwirkungen der Corona-Pandemie bekommt das Gastgewerbe ganz besonders zu spüren. Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, brachen die Umsätze im März um fast die Hälfte ein. Das Gastgewerbe setzte im März real 45,4 Prozent weniger um als im März 2019. Wegen der coronabedingten Einschränkungen rechnet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) für den Monat April mit noch dramatischeren Umsatzeinbußen von mehr als 90 Prozent. Auch wenn seit zwei Wochen Restaurants und Cafés unter strengen Auflagen wieder Gäste bewirten und Hotels nach und nach wieder Touristen beherbergen dürften, ist die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe weiterhin katastrophal.

Das bestätigt auch Zoran Salic, Geschäftsführer vom Hotel und Restaurant Friedenseiche in Neukirchen-Vluyn. „Mir fehlen die Worte, der aktuelle Zustand ist eine Katastrophe“, so der Gastronom. „Aktuell fahren wir maximal 25 Prozent des normalen Umsatzes ein. Es ist deprimierend.“ Sowohl der Restaurant- als auch der Hotelbetrieb würden mehr als schleppend laufen. Parallel zum geringen Umsatz seien die Kosten gestiegen. „Um alle Regeln einhalten zu können, müssen wir mehr Personal einstellen. Wenn unsere Kellner zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit Tische zuweisen und Listen verwalten müssten, würde der Service darunter leiden, und wir wollen ja, dass unsere Gäste weiterhin zufrieden sind.“ In die Zukunft schaut Salic mit Sorgen: „Wir wissen ja nicht, wie lange es so weitergeht. Ich persönlich denke, das Jahr ist komplett gelaufen.“

Auch Ercole Ruggiero vom Il Mulino auf der Kirchstraße in Moers blickt sorgenvoll in die Zukunft. Während des Lockdowns hatte er das Restaurant komplett geschlossen. „Einen Außerhausverkauf oder Lieferservice haben wir nicht angeboten, darunter hätte die Qualität unserer Speisen gelitten.“ Das Il Mulino habe direkt am ersten Tag der Lockerung wieder die Türen geöffnet. „Dazu haben wir die Anzahl der Tische halbieren müssen. Zum zusätzlichen Schutz haben wir Plexiglaswände aufgestellt.“ Im Restaurant können die Gäste nun an zwölf Tischen Platz nehmen, im Außenbereich sind es neun. „Wegen unserer Lage konnten wir den Außenbereich leider nicht ausweiten. Aber trotz weniger Gäste ist der Arbeitseinsatz, um die Hygieneregeln einhalten zu können, immens gestiegen“, berichtet Ruggiero. „Die Leute haben noch Angst, ins Restaurant zu gehen. Am vergangenen Wochenende war hier nichts los.“

Leon Mratschkowski leitet das Haus Alte Schmiede in Kamp-Lintfort. „Wir sind aktuell relativ zufrieden, auch wenn die Öffnung unter Corona-Bedingungen natürlich wesentlich mehr Arbeit mit sich bringt.“ Der Umsatz würde aktuell bei rund 75 Prozent dessen liegen, was üblich ist. „Wir profitieren sicherlich von der Landesgartenschau. Aktuell kommen viele neue Gäste zu uns.“

Der eher kleine Betrieb sei eh nicht auf große Gruppen oder Veranstaltungen ausgelegt. Dank eines Umbaus im Herbst, könne man die Tische nun gut verteilen. „Dank der hohen Decken und unserer guten Lüftungsanlagen fühlen sich die Gäste bei uns sicher“, so der Gastronom. Dennoch beobachte er eine gewisse Zaghaftigkeit bei manchen Gästen. Einige würden nur kommen, wenn der Außenbereich genutzt werden könne. „Für die Gäste, die zurzeit noch kein Restaurant besuchen wollen, bieten wir weiterhin den Außerhausverkauf an.“

Ullrich Langhoff, Vorsitzender der Dehoga Kreis Wesel, hofft, dass die Gastronomie langsam wieder an Fahrt gewinnt. „Es wird sicherlich noch etwas dauern, bis sich alles einspielt, aber prinzipiell wollen die Menschen wieder ausgehen“, so Langhoff, der das Restaurant „Lippeschlößchen“ in Wesel betreibt. Wichtig sei, dass die Abstands- und Hygieneregeln strengstens eingehalten werden. „Da dürfen jetzt keine Fehler gemacht werden, sonst bricht uns alles wieder weg.“ Er spricht sich für einen staatlichen Rettungsfond für Gastronomen aus. Allerdings sei dabei entscheidend, wie dieser aussehen würde. „Ein Kredit bringt den Gastronomen nichts, der würde nur einen Vorschub bedeuten – sozusagen ein Sterben auf Raten. Wir fürchten, dass 30 Prozent der Betriebe die Corona-Krise nicht überleben könnten.“