Moers: Schüler lernen, Konflikte zu meistern

Moers: Schüler lernen, Konflikte zu meistern

Kinder der Lindenschule in Moers durchlaufen ein Anti-Konflikt-Training.

"Ich achte auf sie. Sonst kann sie mir nicht vertrauen." Immer wieder sagt Daniel Lindner das, als er Schülern der 3d der Repelener Lindenschule das Tanzseilspiel erklärt. Eines der Mädchen ist seine Tanzpartnerin. Die beiden sind mit einem Seil verbunden. Er sieht, sie kneift die Augen zu. Wenn er den Strang anspannt, folgt sie. Wenn er den Strang lockerlässt, bleibt sie stehen. So kann der Projektmitarbeiter von "Gewaltfrei Lernen" und Diplom-Sportwissenschaftler mit seiner Tanzpartnerin Kreise drehen oder den anderen Kindern ausweichen. Anschließend steigen alle Schüler in der in der Turnhalle an der Talstraße in das Spiel ein.

Das Spiel ist typisch im Projekt "Gewaltfrei Lernen". Die Schüler lernen, aufeinander zu achten und aufeinander aufzupassen. Sie nehmen wahr, wie empfindsam der andere oder die andere ist - körperlich, aber auch geistig. Das entspricht dem Credo des Vereins "Gewaltfrei Lernen", präventiv zu handeln, bevor die Schüler sich schon gegenseitig wehgetan haben. Dabei setzt der Verein auf die Methode, dieses Aufeinander-Aufpassen mit sportlichen Übungen dauerhaft bei den Schülern zu sichern.

Alle Schüler der Lindenschule, die Standorte an der Talstraße und an der Johann-Steegmann-Allee hat, durchlaufen zurzeit das Anti-Aggressionstraining. In drei Doppelstunden lernen sie, welche aggressiven Sprüche an sich "abperlen" lassen sollten, und in welchen drei Stufen sie auf weitere Aggression reagieren können. "Stopp, ich will das nicht, ist die erste", berichtet Schulleiterin Alexandra Wirth. "Dazu strecken die Schüler den Aggressoren ihre ausgespreizte Hand aus." Als Lehrerin bereitet sie den Inhalt der Doppelstunden, zwischen denen eine Woche liegt, mit ihren Schülern nach. "Durch Wiederholung setzen sich die Dinge besser", erzählt sie. "Einige Schüler besitzen nicht mehr die sprachliche Strategie, auf eine Aggression, wie eine Rempelei, angemessen zu reagieren."

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Weil das einmal Erlernte mit der Zeit verloren gehe, wünscht sie sich, alle zwei Jahre das Anti-Aggressions-Training zu wiederholen. "Dafür stehen Grundschulen aber keine Mittel im städtischen Haushalt zur Verfügung", berichtet sie. Deshalb freut sie sich, in diesem Jahr die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West als Sponsor gefunden zu haben.

Dabei ist dieses Projekt in ein Gewaltfrei-Konzept eingebunden, bei dem Lehrer Elemente aus den Übungen im Unterricht übernehmen und wiederholen. Zum Konzept gehört die Schulsozialarbeit sowie die Kooperation mit dem Jugendamt oder den Kirchen. "In Repelen arbeiten alle Akteure eng zusammen", freut sich Alexandra Wirth. Teil dieses Konzept ist, einzelnen Klassen zusätzlich ein Coolness-Training anzubieten, bei dem die Schüler lernen, hinter aggressive Sprüche und Handlungen zu schauen, um angemessener reagieren zu können. Daran nehmen gerade die Schüler der Klasse 3d mit ihrer Klassenlehrerin Sabine Hüschen teil, parallel zum Anti-Aggressions-Training.

(got)