Moers: Schüler erinnern an das Schicksal von Kriegsgefangenen

Moers: Schüler erinnern an das Schicksal von Kriegsgefangenen

Im Foyer des Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum präsentieren die Anne-Frank-Gesamtschüler eine selbst gebaute Holzbaracke.

Eine Holzbaracke mitten in der Eingangshalle des Moerser Hanns-Dieter Bildungszentrums, das ist schon ein ungewöhnlicher Anblick. Noch ungewöhnlicher aber ist der Grund für ihr Vorhandensein dort. 60 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen an der Anne-Frank-Gesamtschule in Moers haben sich mehrere Monate lang mit dem Schicksal bisher namenloser, einstiger französischer Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in Moers beschäftigt, und daraufhin mit fünf Künstlern gemeinsam diese Baracke gebaut.

Der fünf mal vier Meter große, mit einer Wellblechbahn überdachte Holzbau ist an einer Seite offen und beherbergt zwei primitive Etagenbetten mit strohgefüllten Sackleinenmatratzen und Decken aus gepressten Wollabfällen. Dazu sind die Innenwände mit sechs schmalen, 1,60 Meter hohen Brettern verkleidet, auf denen die Schüler holzschnittartig Jahreszahlen und Symbole von Arbeitswerkzeugen bestimmter Zwangsarbeiter-Schicksale festgehalten haben.

  • Moers : Junge Kunst im Hüsch-Bildungszentrum

Die Baracke ist zudem von zehn kniehohen Pappkästen umgeben, die in Schrift und Bild weitere Informationen zum Thema liefern. Am Mittwoch stellten die Schüler gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sandra Punge und den beteiligten Künstlern das geschichtsträchtige Projekt im Rahmen einer kleinen Feier im Foyer des Hanns-Dieter-Hüsch-Bildungszentrum vor. "Die Ausstellung selber steht schon seit 14 Tagen hier, wir wollten dazu aber auch noch eine Dokumentation über deren Entstehung zeigen, und die ist erst jetzt fertig geworden", begründete Sandra Punge die Verzögerung.

Ohne diesen Film wäre die Ausstellungseröffnung in der Tat nur unvollständig gewesen, denn in einem gut 30-minütigen Zusammenschnitt zeigte er, an wie vielen unterschiedlichen Kreativbaustellen die Schülerinnen und Schüler an der Verwirklichung des Projektes gearbeitet hatten. So waren dem Ganzen zunächst zahlreiche geschichtliche Recherchen, darunter auch ein Gespräch mit der heute in Moers und Neukirchen-Vluyn lebenden Familie Belmond vorausgegangen, deren Vater sich einst als französischer Zwangsarbeiter auf einem Baerler Bauernhof in die dortige Tochter verliebt und sie dann später geheiratet hatte. Nicht um alle französischen Zwangsarbeiter war es damals so gut beschieden. Die meisten lebten dicht zusammengepfercht in solchen primitiven Lagerbaracken, wie sie die Schüler in ihrem Projekt nachempfunden hatten. Die Ausstellung "Gefangen in Moers" der Anne-Frank-Gesamtschule ist noch bis zum 23. Februar zu besichtigen.

(lang)