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Kamp-Lintfort: Schüler auf den Spuren jüdischer Geschichte

Kamp-Lintfort : Schüler auf den Spuren jüdischer Geschichte

Drei Klassen der Realschule Kamp-Lintfort erlebten gestern eine Ausstellung, die das Jüdische Museum Berlin mitgebracht hatte.

Tsafrir Cohen und Zwi Wasserstein haben eins gemeinsam: Sie sind Juden. Doch während der eine, aufgewachsen in Israel und Kanada, inzwischen in Berlin lebt und dort sogar das Jewish Film Festival gründete, ist der andere zwar in Deutschland geboren, doch er verließ seine Heimat um in New York Pflichtverteidiger zu werden. Sie und sieben weitere Juden stehen im Mittelpunkt eines Workshops inklusive Ausstellung, mit der das Jüdische Museum Berlin derzeit auf NRW-Tour ist. Drei Museumspädagogen machten gestern mit einem bunten Tourbus inklusive Exponaten und Arbeitsmaterial Halt bei der Städtischen Realschule Kamp-Lintfort.

"Ich war bei einer Lehrer-Messe, da hatte das Museum einen Stand und bot die Aktion an", sagt Geschichtslehrerin Simone Wullenweber. Sie war begeistert und bewarb sich mit einer ihrer Klassen. "Das ist vielleicht drei Wochen her. Wenige Tage später meldete sich das Museum bereits", erklärt die engagierte Lehrerin. Eine neunte und zwei zehnte Klassen nehmen an dem Projekt teil – dazu gehört einerseits ein dreistündiger Workshop und eine 2,5-stündige Beschäftigung mit den Exponaten. Es sind Symbole des Judentums, charakteristische Kopfbedeckungen oder jüdische Kalender, die in großen, roten Würfeln eingebracht sind. Dadurch erfahren die Schüler mehr über die Traditionen und die Geschichte des Judentums.

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Die Klasse 10b befindet sich unterdessen in der Gruppenarbeitsphase. Mittels iPods bekommen sie kurze Biografien von Tsafrir Cohen, Zwi Wasserstein und den übrigen zu hören. Aus den Aspekten, die ihnen wichtig erscheinen, erarbeiten sie ein Poster, das später der ganzen Klasse vorgestellt wird.

"Durch diese persönlichen Geschichten ist das Thema Judentum viel greifbarer für die Schüler", sagt Wullenweber begeistert. "Mir gefällt das Projekt. Das ist mal was anderes als der normale Unterricht und man erfährt viel über andere Kulturen und Religionen", sagt auch Schülerin Angelina Besser und steckt schnell wieder die Kopfhörer ins Ohr um sich weitere Notizen über Wladimir Kaminer zu machen, der 1967 in Moskau geboren wurde, aber seit 1990 in Berlin lebt und dort inzwischen als Regisseur und Schauspieler arbeitet.

Die Ausstellung, die auch dauerhaft im Jüdischen Museum Berlin zu sehen ist, trägt den Titel "So einfach war das". Der zugehörige Workshop für Schüler beschäftigt sich mit jüdischer Kindheit und Jugend nach 1945. Das gesamte Projekt beschäftigt die Schüler den ganzen Schultag über. "Die Biografien erzählen sowohl von Juden, die aus Deutschland weggegangen sind, als auch von denen, die gezielt hierhin gekommen sind", sagt Wullenweber und freut sich sehr, den Realschüler diesen Workshop mit Ausstellung bieten zu können. "Auch wenn die Realschule hier ausläuft, wollen meine Kollegen und ich das Angebot für die Schüler vital halten."

(RP/rl)