Schrebergarten in Moers: Ein Paradies – für Mensch und Insekt

Naturschutz in Moers : Ein Paradies – für Mensch und Insekt

Seit rund zehn Jahren pflegen Paula Berg und Dagmar Acosta gemeinsam ihren Schrebergarten in Moers, mitten in der Stadt. Dort haben sie eine Heimat für viele Insekten geschaffen.

Eine eine akkurat gemähte, mit der Nagelschere bearbeitete Rasenfläche ohne Unkraut und natürlich jede Menge Gartenzwerge: So sieht gemeinhin die leicht spießige Vorstellung von einem deutschen Schrebergarten aus. Dass es auch anders geht, beweist Paula Berg: Ein Blumenmeer erstreckt sich über ihren neun Meter schmalen und 15 Meter langen Garten. Von Lavendel über wilde Orchideen bis hin zur gemeinen Nachtkerze – jegliche Arten an blühenden Pflanzen und Heilkräutern lassen sich in Bergs Garten ausfindig machen.

„Seit zehn Jahren kümmern wir uns um diesen Garten. Meine langjährige Freundin Dagmar Acosta hat ihn gemietet und ist auch Mitglied der Kleingartenanlage Niag. Ich bin dann ein wenig später mit eingestiegen, aber kein Mitglied des Vereins“, sagt Berg. Ihr Schrebergarten liegt an der Heinrichstraße in Moers. Das Vereinsareal setzt sich aus ungefähr 23 Gartenparzellen zusammen. Insgesamt gehören dieser und zehn weitere Vereine dem Stadtverband Moers der Kleingärtner an.

„Früher hatte wir sechs verschiedene Kartoffelarten. Leider ist der Boden hier sehr trocken und deshalb nicht geeignet um Gemüse anzubauen“, sagt Berg. Heute erntet die Hobbygärtnerin ihre eigenen Beeren und Früchte und bietet vor allem vielen Insekten und Tieren ein zu Hause. Bienen und Hummeln sitzen auf dem Lavendel und dem Schmetterlingsstrauch. Häufig lassen sich Spatzen im Apfelbaum nieder und sogar ein wildes Kaninchen nennt den Garten sein Heim. „Insekten haben von manchen Blumen einfach nichts. Zum Beispiel von gefüllten Blumen oder Hortensien. Trotzdem findet man diese überall“, sagt Berg. Man sollte blühende Pflanzen möglichst lange stehen lassen und über das Jahr verteilt ein breites Angebot an Blüten bereitstellen, so Berg.

Berg studierte in den 1980er Jahren Landschaftspflege. „Ich gründetet später auch einen Bioladen. Allerdings hielt er sich leider nicht so lange, da noch nicht viele Leute die Überzeugung von Bioprodukten vertraten“, sagt Berg. Auch heute bereitet die Gärtnerin aus ihren Früchten und Beeren selbst Gelee und Saft zu. „Schon in meinem Studium spielte der Klimawandel eine Rolle. Aber damals wollten es die Leute noch nicht wahrhaben. Früher blühten der Spitz- und der Bergahorn im Vier-Wochen-Abstand.“ Heute, sagt Berg, seien es kaum noch zehn Tage. „Das Wetter beeinflusst die Pflanzen. Der Klimawandel macht sich auch in kleinen Dingen wie diesem bemerkbar.“

Um Pflanzen sowie Saatgut erprobt zu bekommen, empfiehlt Berg die Tauschbörse des Biogartens von der Volkshochschule in Moers. „Mit meinem eigenen Saatgut mache ich eine Keimprobe. Dafür benötigt man eine leere Frischkäsepackung und ein nasses Tempotaschentuch, auf das Saatgut gelegt wird. Alles wird auf die Heizung oder einen warmen Ort gestellt. Der Samen ist gut, wenn er dann keimt“, erklärt Berg.

Trotz einer hohen Hautempfindlichkeit und dem fortschreitendem Alter möchte Berg den Kleingarten nicht aufgeben: „Natürlich überlegt man immer wieder den Garten abzugeben“, gibt sie zu. „Doch dann kommen Dagmar und ich hier her und sehen das Werk der vergangenen Jahre, in das wir so viel Liebe und Arbeit gesteckt haben.“

Die Hobbygärtnerinnen ernten in ihrem Garten ihre eigenen Beeren und Früchte und bietet vor allem vielen Insekten und Tieren ein Zuhause. Foto: Fiona Garden
„Man sollte blühende Pflanzen möglichst lange stehen lassen“, sagt Berg. Foto: Fiona Garden
Über Jahre haben die Moerserinnen ein Idyll erschaffen. Foto: Fiona Garden
Von Lavendel über wilde Orchideen bis hin zur gemeinen Nachtkerze – jegliche Arten an blühenden Pflanzen und Heilkräutern gibt es Bergs Garten. Foto: Fiona Garden

Die Natur hat ein andere Bedeutung für die Moerserin: „Man sollte Natur nicht mit Kultur verwechseln“, mahnt sie. „Nur was natürlich, ohne menschliche Hilfe, wächst, ist Natur. Man sollte früh anfangen, den Kindern diesen Begriff zu erklären.“

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