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Schlosstheater Moers: Lesereihe hinterfragt das Rollenbild der Frau

Moerser Schlosstheater : Wallzentrum wird jetzt Bühne für Kunstaktionen

Zum Auftakt gab es die „Feministische Lesereihe XXL“.

Das Café Z im Wallzentrum hatte am Samstag zu einer ersten Veranstaltung eingeladen. Das komplette Ensemble des Schlosstheaters war bei der „Feministischen Lesereihe XXL“ dabei. Alle fünf Teile der Lesereihe aus der vergangenen Spielzeit wurden an einem Abend gezeigt. Die Lesereihe startete mit einer Reise durch historische feministische Manifeste.

Das Ensemble ließ die Schriftstellerin Simone de Beauvoir von Paris nach Moers reisen und verkünden: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es!“ Die französische Feministin und Schriftstellerin Virginie Despentes wurde zitiert: „Wer nicht ist wie man sein muss um sich aufzuspielen, ist kreativer. Ich bin eher King Kong als Kate Moss.“ Auch Valerie Solanas bezog auf der Bühne Stellung: „Ich finde, dass alle Männer vernichtet werden sollen und bin dabei mit gutem Beispiel vorangeschritten, indem ich Andy Warhol angeschossen habe.“

Es gab bunte Textcollagen, musikalische Einlagen und schockierende Fakten. Es ging um Fragen nach geschlechtlicher Identität, Rollenbildern und Familienkonstellationen, um Mythen und Utopien. Das Schlosstheater hinterfragte das Ideal: Frauen sollen berufstätig sein, ihren Mann aber nicht übertreffen. Sie sollen gebildet sein, aber weniger als ein Mann. Und sie sollen schlank sein, aber ohne Essstörungen.

Der Abend näherte sich aus verschiedenen Perspektiven der „Konstruktion Frau“ und der Verwirklichung von Idealen. „Die Frage danach wie Menschen gut zusammenleben ist untrennbar von der Frage der Geschlechter, die ja eine Konstuktion ist“ , sagte Judith Schäfer. Sie leitet das Projektbüro im Wallzentrum.

Das Projektbüro wird in den nächsten drei Jahren unter dem Titel „Das W-Zentrum für urbanes Zusammenleben“ arbeiten. „Es wird Kunstaktionen in unterschiedlichen Formaten geben: Theateraufführungen, Ausstellungen, Audiokünste und gemeinsame Veranstaltungen mit sozialen Initiativen“, kündigte die Theaterwissenschaftlerin an. Außerdem sollen in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Social Urban Design der Hochschule Niederrhein weitere künstlerische Formate entstehen. Im Café Z werden auch Arbeiten anderer Künstler gezeigt. Den Auftakt macht im November eine Fotoausstellung von Frank Schemmann. Die Ausstellung zeigt Menschen, die im Wallzentrum wohnen und arbeiten. Ab dem 27. November ist die Ausstellung „Ureinwohner*innen“ im Café des Projektbüros zu sehen. Etwa 80 Personen finden im Café Z Platz.