1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Schlosstheater Moers bietet witzige Lehrstunde über die Vagina

Moers : Witzige Lehrstunde über den Frauenkörper

Lesereihe des Schlosstheaters widmet sich dem Feminismus. Zum Auftakt ging’s um die weiblichen Geschlechtsorgane.

„Ich bin ja eher so der salzige Typ“, so heißt eine neue fünfteilige Lesereihe des Moerser Schlosstheaters über das Thema „Feminismus“, seine Ursprünge, Folgen und Zukunftsaussichten, die an diesem Donnerstag im Pulverhaus ihren Auftakt hatte.

Kann man aus einem Comic, noch dazu einem über die weiblichen Geschlechtsorgane eine Lesung machen? Ja, man kann, und sogar auf ziemlich vergnügliche Weise. Das bewiesen die drei Schlosstheater-Schauspieler Lena Entezami, Patrick Dollas, Roman Mucha und Dramaturgin Larissa Bischoff zum Auftakt der oben genannten feministischen Lesereihe am Donnerstag im ausverkauften Pulverhaus. Angereichert mit informativen Pin-Zetteln, begleitenden Geräuschkommentaren und ein paar maskenbildnerischen Hilfsmitteln boten die vier ihren Besuchern an diesem Abend knapp 60 Minuten lang eine witzige Lehrstunde über die weiblichen Geschlechtsorgane und deren in der Regel von Männern beschriebenen Eigenschaften und Aufgaben. Als Grundlage dafür diente ihnen das erste Kapitel des 2017 in einer deutschen Übersetzung im Berliner Avant-Verlag erschienene Comic-Buch der schwedischen Zeichnerin Liv Srömquist „Der Ursprung der Welt“. Darin beschäftigt sich die Autorin vor allem mit der Frage, warum der in ursprünglichen Kulturen einst so unbefangene Umgang mit Begriffen wie „Vulva“, „Vagina“ und „Klitoris“ im Laufe unserer westlichen Kulturgeschichte zu einem so merkwürdigen Tabu-Thema werden konnte. Das, so erfuhren die Besucher, sei vor allem dem übertriebenen männlichen Ehrgeiz zu verdanken, „den Frauenkörper auf unterschiedliche Weise zu kolonialisieren“, genauer gesagt, also „Männern, die sich zu sehr dafür interessieren, was als das weibliche Geschlechtsorgan bezeichnet wird“.

Diese von Lena Entezami zu Anfang schriftlich an die Wand gepinnte Erkenntnis, eröffnete anschließend eine Liste von genau solchen Herren, die leider oftmals so einflussreich waren, dass sich einige ihrer eher skurril anmutenden Ansichten dennoch bis heute erhalten haben. Dazu gehörte zum Beispiel der amerikanische Cornflakes-Erfinder und Arzt John Harvey Kellogg, der empfahl, die Selbstberührung von Frauen mit dem Verschütten ätzender Säuren auf ihre äußeren Geschlechtsteile zu unterbinden. Oder der bigotte Theologe Augustinus, der im vierten Jahrhundert nach Christus die körperliche Vereinigung von Mann und Frau zu einem Verrat an Gott erklärte und dabei der Frau als Nachfolgerin von Eva eine besonders schwerwiegende Schuld zuwies. Eine Ansicht, die sogar wesentlich später der eigentlich als großer Denker bekannte Jean Paul Sartre noch dadurch erhöhte, in dem er den Frauen lediglich ein von dem Wunsch nach männlicher Füllung bestimmtes geschlechtliches Loch zubilligte.

Für all diese Männer schlüpften Patrick Dollas und Roman Mucha immer wieder mit Schnurrbart, Perücke und Mundschutz in verschiedene Rollen, während Larissa Bischoff und Lena Entezami mit informativen Gegenargumenten und Zitaten die weiblichen Gegenpositionen übernahmen. Dabei kommentierte vor allem Letztere die oft erschreckend mangelhaften anatomischen Kenntnisse der berühmten historischen „Frauenkenner“ mit einer so ausgeprägten Mimik aus süßlicher Freundlichkeit und boshaftem Lächeln, dass nicht nur die weiblichen Besucher an diesem Abend zwischendurch immer wieder in schallendes Gelächter ausbrachen.

Die nächste Schlosstheater-Lesung zum Thema „Emanzipation“ findet am Donnerstag, 6. Dezember, um 19.30 Uhr im Pulverhaus statt. Es geht – wieder mit viel Ironie und Humor – unter dem Titel „Was bisher geschah“ um die ersten feministischen Schritte in Politik und Literatur. Karten zum Preis von fünf Euro gibt es unter 02841 8834110 und mit viel Glück vielleicht auch noch an der Abendkasse.