Schlossfest in Moers entführt in „Moderne Zeiten“

Fest in Moers : „Moderne Zeiten“ am Moerser Schloss

Das 14. Schlossfest am Tag des Denkmals widmete sich den Umbrüchen der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das Schlosstheater gab bei dieser Gelegenheit einen Vorgeschmack auf die neue Spielzeit.

Sie sollen sich umschauen, sagt der Bürgermeister. Also drehen Klaus Kubon und seine Frau Dörte die Köpfe. Das Moerser Ehepaar sitzt auf einer Bierbank auf der Wiese am Pulverhaus. Wie jedes Jahr sind die Kubons zum Schlossfest gekommen und wollten eigentlich nur wissen, was das Ensemble des Schlosstheaters in der kommenden Spielzeit so macht. Doch bevor die Schauspieler die Bühne entern und ihr Programm vorstellen, begrüßt Fleischhauer die Gäste und erklärt ihnen, was bald mit dieser Wiese passieren wird.

Ein neuer Schlossplatz soll entstehen. Ein genaues Bild von dieser Veränderung gewinnt das Ehepaar Kubon nicht. Fleischhauer spricht eben nur von einer Pflasterung. Doch eines sei sicher, meint der Bürgermeister: Dass der große Baum auf der Wiese gefällt worden sei, erfülle nicht nur die Moerser Bürger, sondern auch die Verwaltung mit Wehmut. Und es habe rein gar nichts mit dem Plan zu tun gehabt, einen neuen Schlossplatz zu errichten. „Der Baum war durch einen Sturm stark geschädigt, deshalb musste er gefällt werden“, sagt Fleischhauer.

„Moderne: Umbrüche in Kunst und Architektur“ – das Motto des Denkmaltages 2019, an dem dieses 14. Moerser Schlossfest gefeiert wird – passe jedenfalls wunderbar zu der Veränderung, die die Grafenstadt gerade durchmache, findet der Bürgermeister. Nicht nur auf einen neuen Schlossplatz könnten sich die Bürger freuen, sondern auch auf ein saniertes Landratsamt mit Dauerausstellungen und wechselnden Angeboten sowie auf ein neues Theaterprogramm. Besonders auf letzteres. Als Patrick Dollas, Matthias Heße, Roman Mucha, Elisa Reining und Frank Wickermann mit Rattenmasken auf die Bühne treten, lächeln Klaus und Dörte Kubon sich kurz an.

Vom Teilen handelt die kommende Spielzeit, von der Frage nach dem, was die Gesellschaft trennt und was sie verbindet. Schließlich kann Teilen auf zwei gegensätzliche Arten gelesen werden: Es kann um Separatismus oder um Nächstenliebe gehen. Alles ist möglich. Die vier Schauspieler halten der Gesellschaft in ihrem kurzen Programm einen Spiegel vor: Alles werde heute geteilt, Autos, Wohnungen, E-Scooter. Und doch sei es eine Zeit des Egoismus: Unten in den Supermarktregalen gibt es die billigsten Angebote, die sogenannte Bückware. „Macht das Rückgrat biegbar, meinen Kopf kostets nicht“, sagt Elisa Reining und ein Raunen geht durchs Publikum.

Die „Niederrhein Brass“ gab ein Konzert vor der Schlosskulisse. Foto: Norbert Prümen (nop)

„Die Pest“ von Albert Camus wird das Ensemble bald aufführen, und die Frage stellen: Wie reagiert die Gesellschaft auf eine Epidemie. Das Stück „Die Mutter aller Fragen oder 25 Rollen, die eine Frau niemals spielen sollte“ zeigt alternative Lebensentwürfe für die literarischen Frauenfiguren wie Gretchen oder Ophelia auf, die aus Liebe sterben mussten. Die Kubons sind begeistert, sie werden nun im Rosarium einen peruanischen Snack genießen und der Band „Niederrhein Brass“ lauschen. Barbara Folkerts, die mit dem Paar am Tisch gesessen hat, hat sich schon für jedes Stück eine Karte gesichert. „Ich finde es toll, dass das Ensemble immer aktuelle Themen aus der Gesellschaft aufgreift“, sagt die Moerserin. „Auch deshalb bin ich ein großer Fan des Schlosstheaters.“

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