Schleupen AG: IT-Entwickler für die Energiewirtschaft

Unternehmen aus „Silicon Moers“ : IT-Entwickler für die Energiewirtschaft

Als eines der bundesweit ältesten IT-Unternehmen ist die Schleupen AG seit fast einem halben Jahrhundert vorne mit dabei, wenn es um die Entwicklung neuer Programme, Methoden und Angebote für Mitarbeiter geht.

Im nächsten Jahr wird die Schleupen AG ein halbes Jahrhundert alt. Auch wenn IT-Unternehmen sonst selten Geburtstage feiern, will es zu einer Jubiläumsfeier einladen. „Wir sind eines der ältesten IT-Unternehmen Deutschlands“, sagt Vorstand Volker Kruschinski. „1970 wurde das Unternehmen von Leo Schleupen gegründet – mit 25 Jahren. Damals kamen die ersten Dialogsysteme auf den Markt. Leo Schleupen hat als einer der ersten Dialogverarbeitungen angeboten.“

Seit dieser Zeit ist das Unternehmen in der ersten Reihe mit dabei, wenn es darum geht, neue Software zu entwickeln, neue Arbeitsmethoden einzuführen und neue Angebote für Mitarbeiter zu etablieren. Dabei ist es viel kleiner als die SAP AG aus Walldorf bei Heidelberg als Brancheriese, die zwei Jahre später gegründet wurde und 200 Mal so viele Mitarbeiter hat. Es hat in Ettlingen bei Karlsruhe einen zweiten großen Standort, wo sich der Hauptsitz mit Verwaltung befindet und 100 der insgesamt 440 Mitarbeiter arbeiten. „Wir zählen bundesweit zu den 20 großen Unternehmen für Softwareentwicklung“, ordnet Volker Kruschinski die Schleupen AG mit 60 Millionen Euro Jahresumsatz auf dem Markt ein. „Am Niederrhein sind wir eines der größten IT-Unternehmen.“ Der Markt für die Schleupen ist die Energie- und Wasserwirtschaft. Die umsatzstärksten Kunden sind kleine und mittelgroße Stadtwerke, deutschlandweit 280. Insgesamt hat sie 16 000 Anwender.

Die Stadtwerke setzen vor allem das IT-System Schleupen.CS ein, um zum Beispiel Kundenkontakte zu managen, Abrechnungen zu erstellen, Energiedaten zu sammeln, Materialwirtschaft zu organisieren und Finanzdaten auszuwerten. „Ein Stromanbieter zu wechseln, ist leicht, seitdem die Vorgänge in der Energiewirtschaft digitalisiert sind“, berichtet der Vorstand über den Vorteil für die Endverbraucher.

Mittlerweile bietet die Schleupen AG dieses selbstentwickelte System in der dritten Generation an, um es zwei- bis dreimal im Jahr zu aktualisieren. Daneben entwickelt es weitere Software und führt sie ein, aktuell beispielsweise ein System, das den Stromverbrauch in Häusern oder Betrieben 15-Minuten-genau erfasst, damit Stadtwerke den Stromverbrauch genauer prognostizieren können, um den Einkauf der weißen Energie zu optimieren.

„Softwareentwicklung beginnt, aber endet nicht“, sagt der Vorstand, der ein Jahr älter ist als das Familienunternehmen. Dabei hat es eine eigene Variante der „agilen Softwareentwicklung“ entwickelt, eine Methodik die sich seit Mitte des Jahrzehnts langsam verbreitet. „Die Mitarbeiter eines Projektes treffen sich jeden Tag, um über den aktuellen Stand zu berichten“, erläutert der promovierte Elektro- und Informationstechniker. „Sie sagen, was sie vorhaben. Sich abzugleichen, kostet zunächst Zeit und funktioniert nur, wenn alle offen sind. Insgesamt läuft eine agile Softwareentwicklung schneller, flexibler und erfolgreicher ab. So können Projekte schneller ineinander übergehen.“

Mit den Projekten hängt auch das Fachkarrieremodell zusammen, das die Schleupen AG gerade Schritt für Schritt einführt. Mitarbeiter mit hohem fachlichem Wissen, die in den Projekten Verantwortung übernehmen, erhalten eine höhere Vergütung, ohne Führungskraft zu werden. „Wir wollen die Mitarbeiter an das Unternehmen binden“, sagt Volker Kruschinski. „Sie werden ausgezeichnet, wenn sie fünf, zehn, 15, 20 oder 25 Jahre dabei sind. Die Atmosphäre ist familiär. Wechsel sind selten.“

Die Schleupen-Mitarbeiter können während des Jahres an mehreren mehrtägigen Schulungen teilnehmen, in denen sie zum Beispiel etwas über gesunde Ernährung oder Zeitmanagement erfahren. Außerdem zahlt die Schleupen ihnen die Mitgliedschaft im Fitnesscenter. „Wir freuen uns, wenn die Mitarbeiter sportlich sind“, sagt der Vorstand, der selbst ein großer Sportfan ist. In seiner Jugend- und seiner Studentenzeit spielte er Feldhockey beim VfB Hüls in Marl.

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