Sahra Wagenknecht reißt die Moerser mit

Demonstration in Moers : Sahra Wagenknecht riss die Moerser mit

Meerbeck hat zu alter Form zurückgefunden, wie auf der Maikundgebung zu erleben war. Nach Reden, so von Bürgermeister Fleischhauer und dem ökumenischen Gebet, zog Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linken, eine Bilanz zur politischen Lage.

Der DGB hatte sie eingeladen. Sie lief zur Höchstform auf, als sie vor mehreren hundert Gästen über die Bedeutung der Europawahl Ende des Monats sprach.

Unter dem bundesweiten Motto „Europa. Jetzt aber richtig“ riss sie Menschen mit, erhielt spontanen Applaus, als sie die recht komplexen unternehmerischen und finanziellen Zusammenhänge runterbrach. „Der 1. Mai ist ein Feiertag und auch ein Kampftag“, so Wagenknecht. „Unser Land hat sich deutlich verändert, ist rauer und aggressiver geworden“, so die Fraktionsvorsitzende, die völlig ohne Manuskript sprach. Die Ellbogenmanier sei der Spiegel der Gesellschaft. „Wir brauchen ein Europa, in dem die Sorgen der Menschen ernst genommen werden. Die Unternehmen stapeln ihre Gewinne“, so Wagenknecht, verbunden mit dem Appell, zur Wahl zu gehen.

Erschreckend sei, dass rund 40 Prozent der Menschen in Deutschland nicht von ihrer Hände Arbeit leben können. Selbst bei Vollzeitbeschäftigung gibt es am Monatsende 2000 Euro Brutto, obwohl die deutsche Wirtschaft boomt. Wer gute Arbeit leistet, muss entsprechend entlohnt werden. „Die Politik hat so viele Möglichkeiten, den Sozialstaat wieder herzustellen.“

Als Armutszeugnis gezeichnete sie die derzeit fatale Entwicklung. Der deutsche Mindestlohn von 9,19 Euro sei eine Blamage. Zwölf Euro seien akzeptabel, damit Menschen in ihrem Alltag zurecht kommen und nicht vor der Altersarmut Angst haben müssten. „Alles Böse kommt nicht aus Brüssel“, so Wagenknecht weiter. Schlag auf Schlag lieferte sie die Themen, erörterte die Tariflandschaft, Hartz IV und sprach Rentendebatte und Pflege an wie den Mythos des Fachkräftemangels. Unternehmen müssten weiter in die Ausbildung junger Menschen investieren und so die Bildungschance erhöhen. Das Argument, dass künstliche Intelligenz immer mehr Arbeitsplätze abbaue, ließ sie nicht gelten. Sie setze auf eine Quellsteuer im Patent-und Lizenzhandel, so wie es die Franzosen praktizieren. Immer wieder wurde sie vom Applaus der Menschen unterbrochen.

Nach ihrer Rede marschierte eine Abordnung der KG Lusticana zum Sparkassengebäude, um den Maibaum aufzustellen. Danach startete das Familienfest mit verschiedenen Angeboten an den Ständen.

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