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Moers: Rückstaus wegen Spritpreis-Sprüngen

Moers : Rückstaus wegen Spritpreis-Sprüngen

Die Kraftstoffpreise in Moers variieren mehrmals täglich sehr deutlich. Da bilden sich schon mal Warteschlangen bis auf die Fahrbahn – vor allem, wenn die Konkurrenz die Preise erst verspätet anpasst und dadurch mehrere Cent teurer ist.

Die Kraftstoffpreise in Moers variieren mehrmals täglich sehr deutlich. Da bilden sich schon mal Warteschlangen bis auf die Fahrbahn — vor allem, wenn die Konkurrenz die Preise erst verspätet anpasst und dadurch mehrere Cent teurer ist.

Auf der Hülsdonker Straße ist einiges los. Ein Mann in einem Opel möchte gerade zur Markant-Tankstelle abbiegen. Doch daraus wird nichts — zu voll. So muss er erst einmal auf der Straße warten. Die beiden jungen Männer im Audi hinter ihm werden schon unruhig und fahren immer dichter auf. Doch es tut sich nichts.

Der Opel-Fahrer ist nicht der einzige, der bei Markant tanken möchte. Na klar, wenn der Liter Super gerade 1,49 Euro kostet, und einer der Konkurrenzanbieter noch zwölf Cent mehr verlangt. Auch für Kunden anderer Moerser Tankstellen wie Jet (Klever Straße) oder Sound & Phone (Uerdinger Straße) sind solche Szenen nichts Neues: Drastische Spritpreissprünge machen's möglich.

Die Preissprünge bestätigt auch Martin Klug von der Verbraucherzentrale NRW. "Meistens sind die Preise morgens höher und sinken dann gegen Nachmittag", erläutert Klug und verweist auch auf eine Studie des Bundeskartellamtes aus dem Jahr 2011. Bei den "B- und C-Marken" seien die Preise laut Klug dann meist am niedrigsten. Ein entsprechend großer Andrang ist die Folge.

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Yadigar Güner kennt sich inzwischen mit Rückstaus bis auf die Straße aus. "Das kommt öfter vor. Die Preisunterschiede sind manchmal ja auch sehr extrem", sagt der Pächter der Markant-Tankstelle an der Hülsdonker Straße. Früher gab es bei ihm sonntags und montags günstigere Preise. "Jetzt wird es meist nachmittags günstiger", verdeutlicht er. Der Nachmittags-Preis unterscheidet sich dabei häufig massiv von dem morgendlichen, häufig sogar um mehr als zehn Cent.

Die Preise der Konkurrenz hat Güner immer fest im Blick — aus gutem Grund. Er gibt sie direkt an die Zentrale weiter, bei "Markant" also an die Westfalen AG. "Unsere Pricing-Abteilung kümmert sich dann mit einer speziellen Software darum und reagiert entsprechend", erklärt Stefan Jung, Sprecher der Westfalen AG.

Die Pächter besitzen keine Berechtigung für eine Preissenkung- oder -erhöhung, sie haben nur einen indirekten Einfluss durch die Weitergabe der Wettbewerberpreise. Jung: "Aber sowohl Zentrale als auch Pächter möchten ja möglichst viele Tankkunden." Jeder Pächter hat dabei ein klares Wettbewerbsumfeld zu beachten. "So kann es dann auch sein, dass Tankstellen einer Kette unterschiedliche Preise haben", begründet Jung. Die Aufteilung von Markant und Westfalen AG ist identisch zu anderen Anbietern.

Bei Sound & Phone besitzt die Tankstelle nicht die oberste Priorität. "Das Tankstellengeschäft macht nur circa ein Fünftel unseres Umsatzes aus", erläutert Christian Deges von der mobilen Kommunikations-Firma das Nebengeschäft. Entsprechend anders ist auch das Konzept. Der Eigentümer und der Kraftstofflieferant bestimmen die Preise, ohne dass Konkurrenzpreise von Mitarbeitern vor Ort weitergegeben werden. Durch die Tankstelle soll das Hauptgeschäft gewissermaßen gefördert werden.

Deutliche Preissenkungen der Kraftstoffe auf die Straße sind häufig die Folge. "Preissenkungen von Nebengeschäfts-Tankstellen können über Preissenkungen auch für uns sogar ins Minusgeschäft gehen. Das ist dann eine negative Preisspirale", sagt Stefan Jung von der Westfalen AG. Der Preis dürfe dann nicht zu lange zu niedrig sein.

Aus Sicht der Verbraucher dürfen die Preise durchaus längere Zeit niedrig sein. Ein Rückstau wird da gerne in Kauf genommen.

(RP)