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Moers: Riesenbagger reißen Horten-Gebäude ab

Moers : Riesenbagger reißen Horten-Gebäude ab

Bis Ende Januar soll auf dem Horten-C&A-Gelände kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Die Abrissarbeiten haben gestern begonnen.

Wie Lebewesen bewegen sich die zwei Abrissbagger über die Baustelle an der Homberger Straße. Sie haben Köpfe wie Godzilla, mit riesigen Mäulern, die sich in die Mauern verbeißen und sie zerfetzen. Ihre Zähne beißen durch Beton, Stahl, Eisen, Holz und Glas, und das Wasser fließt wie Speichel - das alte Horten-Gebäude ist ein Festmahl für Abrissbagger.

Moers: Riesenbagger reißen Horten-Gebäude ab
Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Gestern war der erste Abrisstag für den Horten-C&A-Komplex. Die niederländische Firma Laarakkers bricht bis Ende Januar nächsten Jahres den ganzen Komplex ab. "Wir machen erstmal nur die Innenseite", erklärt Bauleiter Henri Kroef. Die Fassaden zur Otto-Hue-Straße und zur Homberger Straße werden als letztes abgerissen.

Auf dem ehemaligen Horten-Gelände soll bis Anfang 2017 die Grafen-Galerie, ein neues Einkaufszentrum, entstehen. Die Abrissgenehmigung der Stadt liegt bereits seit Ende 2013 vor (die RP berichtete). Doch erst gestern begannen die eigentlichen Abrissarbeiten, zuvor musste das Gebäude noch komplett entkernt und von Schadstoffen wie Asbest und PCB befreit werden. Das Horten-Gebäude stammt aus dem Jahr 1962, C&A baute 1984 sein Kaufhaus.

Nur fünf Männer arbeiten auf der Baustelle: zwei Baggerfahrer, zwei Bauarbeiter und der Bauleiter. "Wenn hier zu viele Leute sind, ist es zu gefährlich", erklärt Kroef. "Ich muss die ganze Zeit den Überblick haben, was wo passiert." Die zwei Bauarbeiter beobachten je einen Bagger, sie passen auf, dass er nicht über den Wasserschlauch fährt, und warnen, falls es für die Baggerfahrer gefährlich wird. "Als erstes brechen wir die Kellerdecken auf, dann die erste Etage. So kann der Schutt von oben in die Keller fallen", erläutert Kroef das Vorgehen der Abrissbagger.

Die Baggerfahrer müssen auf die Statik des Gebäudes achten. "Das Gebäude darf ja nicht über Nacht einstürzen", sagt Kroef und lacht. Einer seiner Fahrer ist Bart Veldboom. Er lenkt den "Demolition Squad". Außen an der Führerkabine baumeln seine Arbeitsschuhe, drinnen ist es warm wie in einem Wohnzimmer, nur dass die beiden Joysticks keine Playstation bedienen sondern Baggerbewegungen steuern. Der Baggerarm hat eine große Reichweite, aber nur eine kleine Schere. "Wenn der Bagger vorne zu schwer wird, kippt er", erklärt Kroef. Dafür kann Veldboom Mauerreste ganz klein machen. Je kleiner die Schuttteile, desto geringer die Erschütterung und umso weniger Staub - so lautet die Gleichung des Bauleiters. "Es braucht Fingerspitzengefühl", sagt er. "Alles ist ganz gemütlich." Doch wenn der Bagger seine Schere in die massiven Decken schlägt und daran zerrt, zittert der Erdboden. Der Kettenantrieb des 19-Tonnen-Fahrzeugs wühlt sich in den gepflasterten Boden, so dass die Ketten die Pflastersteine an den Seiten wieder ausspucken.

Behutsamkeit statt Brutalität - das Prinzip dient vor allem der Sicherheit von Bauarbeitern und Anwohnern. Stück für Stück arbeitet das Team sich vor. Der andere Bagger ist damit beschäftigt, Holz, Eisen und Dachpappe aus den Gebäuderesten zu pflücken. Er sortiert sie in unterschiedliche Container. "90 Prozent des Materials müssen nämlich recycelt werden."

(RP)