Rheurdt: Michael Sonfeld ist ein Turmtransformator

Rheurdt : Rheurdt: Michael Sonfeld ist ein Turmtransformator

Der Schaephuysener rettet Trafotürme als Industriedenkmäler der Elektrifizierung. Den Turm in Schaephuysen sieht er auf einem guten Weg

Michael Sonfeld ist ein großer Fan von Transformatortürmen. Die wurden vor 100 Jahren gebaut, um Strom mit Mittelspannung aufs Land zu bringen. Mittlerweile hat auch seine Ehefrau das „Turmfieber“ gepackt, mit der er Übernachtungen in der „Villa Stierstadt“ bei Frankfurt und im Hochzeitsturm von Schloss Wissen bei Weeze erlebte. Die Türme hält der 61-Jährige genauso ortsbildprägend wie den am Schaephuysener Ortseingang.

Auch für diesen Turm wünscht er sich eine neue Funktion und ein neues Äußeres, wenn dieser im September ins Eigentum des Vereins Schaephuysen Heimspiel übergeht. „Der Verein will im Inneren ein Lager errichten und den Turm von außen als Hingucker und Naturrefugium gestalten.“

Sonfeld zählt zu den Ersten, die ab 2010 den Wert der Trafotürme sahen. Bis März war er als Liegenschaftler des Versorgungsunternehmens RWE-Innogy-Westnetz zunächst damit beauftragt, Trafotürme abreißen zu lassen. Diese wurden nicht mehr gebraucht, nachdem das Versorgungsunternehmen in ein neues Kabelnetz investiert hatte. Die Transformatorentürme wurden häufig zwischen 1910 und 1925 gebaut, als der Niederrhein elektrischen Strom erhielt. Nun waren sie überflüssig.

Doch dann kam in Kevelaer ein Schützenhauptmann auf ihn zu. „Der Turm ist für uns wie eine Kirche“, hörte Michael Sonfeld von ihm. „Er ist ein Teil unserer Geschichte. Wir wollen nicht, dass er abgerissen wird.“ Er ließ sich die Argumente des Schützenhauptmanns durch den Kopf gehen. „Die Trafotürme haben Licht ins Dorfleben gebracht“, erzählt der Schaephuysener von seinem Sinneswandel.

Im Arnsberger Kollegen Andreas Steffen, der im Sauerland für Innogy-Liegenschaften verantwortlich ist, fand er einen Gleichgesinnten. Zusammen richteten sie Verbesserungsvorschläge an die Geschäftsführung. Die Trafotürme sollten erst dann dem Erdboden gleich gemacht werden, wenn sich keine andere Nachnutzung finden ließ.

Die beiden hatten Erfolg. 2011 startete die RWE AG die Kampagne „Turmträume – Heimat gemeinsam neu entdecken“. Bürger, Gruppen oder Vereine können seither einen Turm erwerben. Sie bekommen einen finanziellen Zuschuss. Seitdem Sonfeld im Vorruhestand ist, hat er noch mehr Zeit, sich als Projektberater um die Türme zu kümmern, die meistens eine Grundfläche von weniger als zehn Quadratmetern haben. Er blieb Beauftragter der Innogy für Turmumwandlungen in den Kreisen Wesel und Kleve.

Unter dem Synonym www.turmtransformation.de bietet er für Turmfreunde aus ganz Deutschland eine Plattform. Bei alledem setzt der Turmtransformator auf individuelle Lösungen.

Der Trafoturm im Kerkener Ortsteil Rahm wird von Mitgliedern der St.-Antonius-Bruderschaft sowie der katholischen Landjugend in ein Insektenhotel und Sitzungszimmer umgewandelt. Auch eine E-Bike-Ladestation sowie Tische und Bänke zum Ausruhen stehen dort. „Der Turm ist eine Landmarke“, sagt Michael Sonfeld. „Die Menschen treffen sich dort.“

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