Moers: Rheinkamper Schüler bergen Sonde eines Stratosphären-Ballons

Moers: Rheinkamper Schüler bergen Sonde eines Stratosphären-Ballons

Toller Zufall: Die Sonde aus Münster landete neben der Anne-Frank-Gesamtschule, die im vergangenen Jahr ebenfalls einen Stratosphären-Flug unternommen hatte.

Sie haben sich noch nie gesehen, aber fast wie alte Bekannte begrüßt: Gestern empfing die Oberstufen-Physik-AG der Gesamtschule Rheinkamp Lehrer und Schüler vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster. Gastgeber wie Gäste eint der Enthusiasmus für die Physik. So holten die Münsteraner gestern in Rheinkamp eine Mess-Sonde ab, die sie mit einem Stratosphärenballon im Februar in die Höhe geschickt hatten. Dass die Sonde ausgerechnet in einem Baum auf dem Gelände der Rheinkamper Schule landete, war ein irrer Zufall, denn im Juli 2017 hatten die Rheinkamper ein ähnliches Experiment unternommen. Wie berichtet war ihr Stratosphärenballon damals in 34 Kilometer Höhe geflogen und wie vorberechnet geplatzt. Instrumente hatten Daten über Luftdruck, Temperatur, Aufstiegsgeschwindigkeit und mehr aufgezeichnet. Eine Kamera machte Bilder der Grenzregion zwischen Atmosphäre und Weltraum. Die Sonde mit den Instrumenten landete schließlich an einem Fallschirm bei Iserlohn im Sauerland, wo sie von einem Suchteam dank eines GPS-Signals gefunden werden konnte.

Die Kollegen aus Münster hatten weniger Glück: "Unser GPS-Trecker war defekt", berichtete gestern Lehrer Markus Rommen von Geschwister-Scholl-Gymnasium. Berechnet war ein Landeort an der Lippe bei Wesel, aber dort suchten die Münsteraner vergeblich. Auch Suchaufrufe unter anderem bei Facebook brachten keinen Aufschluss über den Verbleib der Sonde - bis sie von Schülern der Gesamtschule Rheinkamp in 25 Metern Höhe in einem Baumwipfel entdeckt wurde.

Dank ihres eigenen Stratosphären-Versuches ahnten die Rheinkamper schnell, was ihnen ins "Netz" gegangen war, berichtete gestern Physik-Lehrer Christian Eckold. Die Telefonnummer seines Kollegen in Münster war auf dem Fund verzeichnet. "Eckold rief mich an und sagte: Ich glaube, wir haben da etwas, was sie suchen", erzählte Rommen. Die Delegation aus Münster bedankte sich gestern mit einem praktischen Geschenk: Ein "Raspberry Pi", ein elektronisches Bauteil, an das verschiedene Messinstrumente angeschlossen werden können. "Für den nächsten Stratosphären-Flug", sagte Rommen.

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Tatsächlich möchte Eckold das Experiment gerne mit anderen Schülern wiederholen. "Sobald ich das Geld zusammen habe." 4000 Euro seien notwendig, sagte der Lehrer, der sich bereits an mögliche Sponsoren gewandt hat. "Mit solchen Projekten kann man Schüler begeistern", sagte der Lehrer.

Die Vorbereitungen für den Stratosphären-Flug waren zeit- und arbeitsaufwendig. Die Schüler mussten Behörden kontaktieren, Versicherungsfragen klären, ein Sicherheitskonzept schreiben, sich mit den notwendigen Instrumenten und ihrer Funktonsweise vertraut machen. Ein Jahr hatte der "Vorlauf" des Experiments gedauert. Die zahlreichen gesammelten Daten hat Eckold gemeinsam mit den Schülern aufgearbeitet. "Wir haben daraus Diagramme erstellt. Ein solcher Versuch ist Physik pur."

(RP)