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Rheinbergerinnen eröffnen Brautmodengeschäft im ehemaligen Moerser Bordell

Wirtschaft in Moers : Vom Bordell zum Brautladen

Zwei Rheinbergerinnen eröffnen im ehemaligen „Evening Club“ an der Rheinberger Straße im Moerser Norden ein Geschäft für Braut- und Festmode.

Dass sich im alten „Evening Club“ wieder etwas tut, hat sich wohl herumgesprochen. Immer wieder mal stehen Männer an der Tür, die fragen, ob das „Etablissement“ wieder öffne, erzählen Britta Adams-Gogoll und Anja Bellinger-Fonck. Sogar zu einem Auffahrunfall vor dem Haus sei es gekommen, als ein neugieriger Autofahrer auf der Rheinberger Straße auf die Bremse stieg. Die beiden Budbergerinnen lachen über so etwas. Mit der Vergangenheit des Hauses gehen sie offen um. „Frei nach dem Motto ,Vom Bordell zum Brautladen’ lassen wir nun die positive Energie des Hauses in anderer Form weiterleben“, schreiben sie im Internet.

 Nach fünfjährigem Leerstand wird der ehemalige „Evening Club“ an der Rheinberger Straße Anlaufstelle für Bräute in spe.
Nach fünfjährigem Leerstand wird der ehemalige „Evening Club“ an der Rheinberger Straße Anlaufstelle für Bräute in spe. Foto: Josef Pogorzalek

Die Freundinnen machen aus dem Haus, das einst eine Gaststätte war und in dem dann 20 Jahre lang mit käuflicher Liebe gehandelt wurde, ein Geschäft, in dem „für die Liebe gekauft wird“ – so drückt es Bellinger-Fonck aus. „Brittanja Braut- und Festmodenmanufaktur“ lautet der Name, der spätestens zur Eröffnung am 9. Februar über dem Eingang stehen soll. Mit dem Geschäft erfüllen sich die Inhaberinnen einen lang gehegten Traum von Selbstständigkeit. Beide sind Anfang 50, die Kinder sind groß. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt Bellinger-Fonck. Sie hat eine kaufmännische Ausbildung, Britta Adams-Gogoll arbeitet im Vertrieb. Seit 30 Jahren kennen sich die beiden. „Wir haben uns über unsere Männer kennengelernt.“ Im Karneval sind die Frauen immer mit einer Clique in selbst kreierten Kostümen unterwegs. „In diesem Jahr als schwarze Witwen, im letzten Jahr waren wir Steampunks.“ Anja Bellinger-Fonck näht die Kostüme nach gemeinsamen Ideen. „Sie ist die Künstlerin von uns beiden“, sagt Britta Adams-Gogoll lachend. „Ich darf nur Handlangerdienste erledigen.“

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Das früher in der Dunkelheit rot beleuchtete Gebäude an der Rheinberger Straße kannten die Frauen, wie viele andere, vom hundertfachen Vorbeifahren auf dem Weg zwischen Rheinberg und Moers. In den letzten fünf Jahren stand das Haus leer. „Wir fanden das Objekt interessant wegen der Lage direkt an der Autobahnabfahrt und des großen Parkplatzes“, sagt Adams-Gogoll. Der Eigentümer sei anfangs zurückhaltend gewesen. „Er hatte viele Anfragen aus dem früheren Gewerbe, wollte das aber nicht mehr.“ Mit ihrem Geschäftskonzept konnte das Brittanja-Duo ihn überzeugen. „Aus unserem Bekanntenkreis wissen wir, dass es schwierig ist, schöne Abendmode zum Beispiel für Abifeiern oder Schützenfeste zu bekommen.“ Auch für Brautkleider nehme die Kundschaft weite Wege in Kauf. „Und wer zum Beispiel nach Düsseldorf unterwegs ist, kommt bei uns vorbei.“

Die beiden Frauen haben die ehemals rote Fassade des „Evening Club“ grau übermalt. Im Inneren herrschen Weiß, Silber, Mauve. „Mädchenfarben“, sagen die Inhaberinnen. Auf insgesamt 180 Quadratmetern haben sie Schau-, Beratungs- und Arbeitsräume eingerichtet. Ein Blick von der Straße ins Fenster lässt an Traumhochzeiten und junges Glück denken. Da werden nicht nur Männer neugierig. „Die ersten jungen Frauen standen auch schon da“, freut sich Anja Bellinger-Fonck.