Rennatmosphäre in Moers: Von tollkühnen Kindern in Seifenkisten.

Rennatmosphäre in Moers : Von tollkühnen Kindern in Seifenkisten

Formel 1-Feeling mit Fachsimpeleien im Fahrerlager und vielen Zuschauern – so präsentierte sich das Seifenkistenrennen im Freizeitpark.

Die Rennstrecke war bestens präpariert. Rund 40 Fahrerinnen und Fahrer im Alter von acht bis 18 Jahre sorgten am gestrigen, von der Sonne verwöhnten Sonntag für Nervenkitzel. Die Rennstrecke im Freizeitpark zog sie alle an. Das Publikum feuerte lautstark an, wenn die flotten Seifenkisten vorbei sausten.

„Unter 19 Sekunden gilt als Superzeit“, sagte Lena Brandauer vom Moerser Kinder- und Jugendbüro, das den Wettbewerb ausrichtet. Im Schnitt dauert eine Fahrt von etwa 200 Metern Rennstrecke 30 Sekunden. Je nach Karosse beschleunigen die Modelle auf bis zu 25 Stundenkilometern. Mit dabei ist Carlo Synde aus Kapellen. Aufgeregt sei er schon, verrät der junge Fahrer vor dem Start. Intensiv trainiert hat er vorab, wie seine Mutter Melanie verrät. Doch dann wird es ernst. Seine Seifenkiste und die des Konkurrenten wird auf die 2,50 Meter hohe Rampe gehievt. Anspannung ist spürbar, als die Fahrer konzentriert hinter dem Lenkrad kauern, den Rücken rund machen, den Kopf mit schützendem Helm leicht senken.

Carlos kennt die Spielregeln beim Start. „In der Startphase darf ich nicht lenken, nicht bremsen“, so der Neunjährige. Sekunden später zeigt er ein zufriedenes Gesicht. Gewonnen ! Er hat in diesem Lauf den Konkurrenten abgehängt und als erster das Ziel in guter Zeit erreicht. Ähnlich Semih Koc von der Eichendorff-Schule. Erstmals ist er dabei. „Wir sind beide sehr aufgeregt“, verrät sein Vater Suat. Bevor es allerdings an den Start geht, durchlaufen die jungen Rennfahrer eine strenge Kontrolle bei der Dekra, wie Thomas Wiedwald erklärt: „Wichtig ist die Prüfung von Bremsen und Lenkung. Zwei Kisten mussten wir schon rausnehmen und stilllegen“, so Wiedwald von der Moerser Dekra. Sicherheit hat oberste Priorität.

Die Schulteams aus Moers hatten ihre Kisten-Karosserien mit Teilen aus dem 3D-Drucker optimiert; alles zugunsten der Windschnittigkeit. Foto: Norbert Prümen (nop)

Der Bau einer Seifenkiste unterliegt strengen Bauvorschriften. Wiedwald: „Das Gesamtgewicht von Seifenkiste und Fahrer muss unter 140 Kilo liegen.“ Durch Fahrfehler kann es zu Unfällen kommen. Entsprechend kam es zum sofortigen Einsatz von Rettungskräften. Vom Team der Seifenkistengruppe Stromberg stammt die Leihrampe für den Start. „Wir sind viel zu Rennen unterwegs“, bestätigt Bernhard Wettendorf die Faszination Seifenkistenrennen, die Jung und Alt am Familienwochenende gleichermaßen fesseln. „Vier Räder, eine Kiste und große Kinderaugen“, fasst Stefan Bednarski aus Erkrath die Leidenschaft zusammen. Sein Sohn Max ist unter den Teilnehmern.

Bis zum zwölften Lebensjahr startet der Teilnehmer in der Rennkiste. „Danach geht die Seniorenklasse in Liegekisten an den Start“, so Wettendorf. Fachsimpeleien der Eltern bestimmen die Gespräche an den jeweiligen Infoständen. Dass Seifenkisten auch Schulprojekte bestimmen, erlebten die Fünft- und Sechstklässler vom Moerser Adolfinum, die ihren schnittigen Flitzern mit Teilen aus dem 3D-Drucker formten. „Dabei geht es um coole und beeindruckende Outfits, um den Gegner von Anfang an einzuschüchtern“, so die Lehrer Maja Stolte und Lars Heiming, die das Team begleiteten. Die zweispurige Rennstrecke mit zwei kleineren Hügeln inklusive S-Kurve sorgten für Spaß pur. Spannende Rennen in der Kategorie Fun-Cup bestimmten den Vormittag. Der Moerser Speed-Cup folgte. Erst am Abend standen die Sieger fest, die wir Morgen nachreichen.

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