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Moers: Religionsgemeinschaften gegen Pegida

Moers : Religionsgemeinschaften gegen Pegida

Die Vertreter der beiden großen Kirchen in Duisburg, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde sowie der Sprecher der Ditib-Merkez-Moschee-Gemeinde sehen mit Sorge auf die islamfeindliche Demonstration am Montagabend.

Die für heute Abend geplante Pegida-Demonstration trifft auch bei den Vertretern der wichtigsten Religionsgemeinschaften in Duisburg auf Widerstand. Stadtdechant Bernhard Lücking findet klare Worte: Die Pegida-Demonstranten seien ihm "zutiefst zuwider".

Er habe gehofft, dass "der Kelch der Pegida-Demonstrationen an Duisburg vorübergegangen" wäre. Gerade in Duisburg brauche man den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen. Die Pegida-Anhänger schürten dagegen Fremdenhass und versuchten, alle Einwanderer zu kriminalisieren und zu diffamieren. Dabei brauche man die Menschen mit Einwanderungsgeschichte hier in Deutschland. Lücking: "Ohne Einwanderer hätte ich hier keine funktionierende Gemeinde mehr."

Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, der bei der RP-Anfrage an der Landessynode in Bad Neuenahr teilnahm, mailte von dort: "Als Evangelische Kirche in Duisburg ist es uns wichtig, dass unsere Stadtgesellschaft ein deutlich wahrnehmbares und friedliches Zeichen setzt gegen Fremdenfeindlichkeit, das Schüren von Ängsten und das Verbreiten von dumpfen Hassparolen. Gerade auch nach den furchtbaren Anschlägen von Paris ist es umso wichtiger, dass wir zusammen stehen und gemeinsam einstehen für ein friedliches, von Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägtem Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen in unserer Stadt."

Schneider kündigte an, heute an der Pegida-Gegendemonstration teilzunehmen. Die beiden evangelischen Altstadt-Pfarrer Stephan Blank und Martin Winterberg lassen, wie berichtet, als Zeichen des Protestes gegen die Pegida-Demonstration die Lichter an der Salvatorkirche und der Marienkirche abschalten. Das evangelische Bildungswerk ruft Kursteilnehmer und Mitarbeiter zur Gegendemonstration auf. Dessen Leiter, Dr. Marcel Fischell, sagt: "Das Evangelische Bildungswerk will keine Gesellschaft, in der Menschen mit nicht-deutscher Herkunft oder anderer Religion verunglimpft werden." Die fremdenfeindliche und anti-islamische Propaganda der Pegida-Bewegung verstöre zutiefst.

Die Verantwortlichen der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr Oberhausen betrachten mit Sorge, dass nun auch in Duisburg zu einer Pegida-Demonstration aufgerufen wird. Gleichzeitig sei dies aber keine wirkliche Überraschung. "Es war unserer Meinung nach nur eine Frage der Zeit, bis Pegida auch in Duisburg ankommen würde. Bereits die Kommunalwahlen haben gezeigt, dass es dafür in unserer Stadt durchaus einen Nährboden gibt", so Gemeindegeschäftsführer Michael Rubinstein.

Dies sei einerseits besorgniserregend, andererseits zeige die schnelle Anmeldung von Gegenveranstaltungen, dass "in Duisburg ein breiter Konsens darüber herrscht, solchen Gruppierungen keinen Raum zu lassen" und sich gemeinsam eindeutig dagegen zu positionieren. Rubinstein wörtlich: "Wer in Duisburg versucht, mit dem Thema Überfremdung Stimmung gegen Muslime zu machen, hat nicht verstanden, dass es Duisburg ohne die Vielzahl an zugewanderten Mitbürgern nicht geben würde und viele Errungenschaften nur durch diese Menschen erst möglich wurden. Duisburg ist Duisburg wegen unserer Vielfalt, nicht trotz dessen."

Sinak Celik, Sprecher der Ditib-Merkez-Moschee-Gemeinde, hatte nicht damit gerechnet, dass sich Pegida-Demonstranten in Duisburg breitmachen würden. Er fürchtet, dass heute die "islamfeindlichen Menschen" auch aus anderen Städten mit Bussen nach Duisburg gebracht werden. Der schreckliche Terrorakt in Paris und die jüngsten Vorkommnisse in Belgien hätten den Pegida-Leuten offenbar Auftrieb gegeben und sie versuchten, auch in Duisburg Fuß zu fassen. Es sei "widerlich", wie Pegida die Morde in Paris zu instrumentalisieren versuche. Er wolle nicht das Demonstrationsrecht einschränken, aber die pauschale Verunglimpfung der Muslime sei nicht akzeptabel. Vertreter seiner Gemeinde würden friedlich an der Pegida-Gegendemonstration teilnehmen.

(RP)