Moers: Rathaus im Angebot

Moers: Rathaus im Angebot

Ende des Jahres verlassen die letzten Mitarbeiter das Bergamt Moers in Utfort. Die Stadt Moers als Eigentümer will es vorübergehend als Puffer beim Rathausumzug nutzen. Dann soll das alte Rathaus Rheinkamp verkauft werden.

Als „Wahrzeichen kommunaler Einigkeit und Stärke“ wurde das Rathaus Rheinkamp 1912 bei seiner Fertigstellung gefeiert. Zum 1. Oktober 1910 waren die Landgemeinden Repelen und Baerl per Erlass aus Düsseldorf zur Landgemeinde Repelen-Baerl, später Rheinkamp, zusammengelegt worden. Damit wurde ein jahrelanger Streit zwischen beiden Orten beendet, denn die Gewerbesteuer der Zeche Rheinpreußen ging an die eine, die Sorge um die Unterbringung der aus Österreich und Schlesien zuziehenden Kumpel hatte die andere. Das neue Rathaus wurde in die Mitte zwischen beide alten Ortskerne gesetzt, in Utfort an der Rheinberger Chaussee.

Kein Sanierungsfall

Heute kennt man das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus der Kaiserzeit seit 1985 als Bergamt Moers. Doch mit Schließung der Zechen am linken Niederrhein wurde die Zahl der Mitarbeiter immer geringer. Von ursprünglich 28 sind nur noch 13 in Moers tätig. Heute arbeitet lediglich eine kleine „Nachhut“ in Utfort, seitdem die Bezirksregierung Arnsberg die Bergämter 2007 zusammenfasste. Zum 31. Dezember ziehen auch die letzte „Bergämtler“ aus. Das Haus gilt nicht als Sanierungsfall wie etwa das wesentlich jüngere Alte Rathaus in Moers. Vor vier Jahren wurden sogar noch neue Brandschutztüren eingebaut. Im Keller ist der SPD-Ortsverein Rheinkamp Untermieter. Die AG 60plus wie das Archiv der Arbeiterbewegung Niederrhein sind dort beheimatet. Unter dem Dach ist das Archiv des Bergbauvereins Rheinpreußen untergebracht.

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Für den Eigentümer Stadt Moers sind das alte Rheinkamper Rathaus ebenso wie das Kommunale Rechenzentrum ein Puffer, um vorübergehend beim Um- und Neubau des Moerser Rathauses die Räumlichkeiten nutzen zu können. Anschließend, so hieß es bei der Stadt, stehe es zum Verkauf an.

Am 20. April 1912 schrieb der „Grafschafter“ zur feierlichen Eröffnung, der Neubau sei ein „Rathaus, um das sie manche alte Stadt beneidet.“ In den Reden wurde es als „Hegestätte echten Bürgersinns und deutscher Art“ gelobt und als „Wahrzeichen kommunaler Einigkeit und Stärke“ wahrgenommen. Der große Sitzungssaal im ersten Stock war der „würdige Mittelpunkt der jungen Gemeinde“. Gemeindebaumeister Schreyer hatte ihn mit Holzbalkendecke und eichener Wandbekleidung ausgestattet. Beides ist noch vorhanden, anders als die Glasbildfenster, die Landwirtschaft und Bergbau darstellten. Längst verschwunden sind auch die Kronleuchter, die die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke stifteten. Ebenso das Bild von Kaiser Wilhelm II., das die Familie Liebrecht von Haus Tervoort schenkte. Zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung begann der Erste Weltkrieg.

(RP)
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