Raser-Unfall in Moers: Anklage steht kurz bevor

Illegales Autorennen in Moers : Unfallfahrer raste mit Tempo 108

Die Ermittlungen zu dem illegalen Rennen, bei dem am Ostermontag eine unbeteiligte Frau auf der Bismarckstraße getötet wurde, sind fast abgeschlossen. Jetzt liegt ein Gutachten zu dem Unfall vor. Die Anklage soll in der nächsten Woche stehen.

Mit mindestens 108 km/h raste der Fahrer eines PS-starken AMG Mercedes über die Bismarckstraße, als er am Abend des Ostermontags den Kleinwagen einer 43-Jährigen rammte. Das geht aus einem unfallanalytischen Gutachten hervor, das nun der Staatsanwaltschaft vorliegt. Die schwerverletzte Frau starb später im Krankenhaus. Als unbeteiligte Dritte wurde sie Opfer eines illegalen Autorennens, das sich zwei junge Männer nach Einbruch der Dunkelheit lieferten.

Das Gutachten gehört zu den letzten Bausteinen der Ermittlungen. Weitere Aufschlüsse über den Unfall und die Geschwindigkeiten der am Rennen beteiligten Fahrzeuge erhofft sich Staatsanwalt Sebastian Noé, wenn die Daten der Fahrzeuge ausgewertet sind. Die Speicher seien an die Fahrzeughersteller weitergeleitet worden. Wenn die Daten vorliegen, werde die Dekra mit einem ergänzenden Gutachten betraut. Dies könne zwar einige Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch ging Noé am Mittwoch davon aus, dass er bereits in der nächsten Woche Anklage gegen die beiden am Rennen beteiligten Männer erheben kann. Das Gerichtsverfahren werde dann voraussichtlich im Herbst beginnen.

Der Unfallfahrer, ein 21 Jahre alter Mann aus Moers, sitzt seit Mai in U-Haft. Er hatte den demolierten Mercedes zunächst zurückgelassen und war weggelaufen. Er stellte sich eine Woche nach dem Unfall, als ein Haftbefehl wegen Mordes ausgestellt und eine öffentliche Fahndung eingeleitet worden war.

Ob der 21-Jährige tatsächlich wegen Mordes angeklagt wird, stehe noch nicht fest, sagte Noé. Dies hänge auch vom Ergebnis eines rechtsmedizinischen Gutachtens ab, das voraussichtlich bis Ende dieser Woche vorliegen werde und Aufschluss über die Todesursache geben soll. Auch wenn diese im vorliegenden Fall offensichtlich sei, verlange das Gesetz die Einschätzung eines Sachverständigen.

Noé bestätigte, dass die 43-Jährige nicht angeschnallt war, als der AMG Mercedes mit ihrem Auto kollidierte. Gerüchte, dass die Frau auch ohne Scheinwerferlicht unterwegs gewesen sei, träfen aber nicht zu. Laut Unfallgutachten sei der Lichtschalter an ihrem Wagen auf der Position „Abblendlicht“ gewesen. Auf Polizeifotos sei zudem erkennbar, dass die Scheinwerfer brannten; die Rückfahrleuchten seien dagegen komplett zerstört gewesen.

Unter Umständen komme gegen den Unfallfahrer auch eine Anklage wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens infrage, sagte Noé. Wird dabei jemand getötet oder schwer gesundheitlich geschädigt, drohen dem Täter laut Strafgesetzbuch bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe vor. Bei dem zweiten am Rennen beteiligten Mann handelt es sich um einen ebenfalls 21 Jahre alten Duisburger. Er konnte seinen Range Rover zum Glück rechtzeitig abbremsen und einen Unfall vermeiden. Der Mann flüchtete zunächst mit seinem Auto, er wurde später im Rahmen der Ermittlungen ausfindig gemacht. Dem Duisburger steht eine Anklage wegen Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen bevor, sagte Staatsanwalt Noé; ihm drohten bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.