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Rapper Robin Schwaupa alias "NerdByNature" aus Moers will durchstarten

„NerdByNature“ landet Sommerhit : Rapper aus Moers will durchstarten

Seit zehn Jahren macht Robin Schwaupa Musik. Mit einem Song für den Star-Fotografen Paul Ripke ist der 27-Jährige seinem Traum ein Stück nähergekommen.

Ein Hip-Hop-Künstler, der sich mehr auf seine Texte konzentriert als auf sein Gangster-Image, ist selten. Auf den 27-jährigen Robin Schwaupa aus Moers, den viele unter dem Künstlernamen „NerdByNature“ kennen, trifft das zu. Er selbst hält sich für einen untypischen Rapper. Oft wird er mit Cro verglichen, einem berühmten Rapper mit Panda-Maske, der jedoch eher für seine Gute-Laune-Hits bekannt ist und über sich sagt, er mache „Raop“, also eine Mischung aus Rap und Pop.

Damit kann Schwaupa, der neben Cro auch in dem Sänger Materia ein Vorbild sieht, gut leben. Er denkt gerne nach, bevor er losrappt, verzichtet auf Beleidigungen und schreibt Texte manchmal innerhalb von einer Stunde. Dann ist er „im Flow“, wie er sagt. Der gelernte Systemelektroniker kann blitzschnell sein – beispielsweise wenn der Star-Fotograf Paul Ripke über die Sozialen Netzwerke dazu aufruft, ihm kreative Werbe-Ideen für seine Mode-Linie zu schicken.

Auf genau so einen Aufruf hat der Moerser reagiert und binnen weniger Stunden nicht nur einen Songtext geschrieben, sondern auch den passenden Beat dazu erstellt.

 Das Foto zeigt eine Szene aus dem Musikvideo, das ihm im Internet einige Bekanntheit gebracht hat.
Das Foto zeigt eine Szene aus dem Musikvideo, das ihm im Internet einige Bekanntheit gebracht hat. Foto: Screenshot Youtube
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Das Ergebnis schickte der Rapper zu Star-Fotograf Ripke nach Kalifornien – und der zeigte sich begeistert von dem jungen Mann aus Moers. So sehr, dass er ihm eine rosafarbene Badehose, einen langen gelben Poncho mit Kapuze und eine fliederfarbene Kappe schickte – alles von seiner Modemarke, um die es ging. Mit den Utensilien sollte er nun ein Musikvideo aufnehmen. Er wählte die Terrasse als Drehort, bestellte ein kleines Planschbecken und produzierte innerhalb von 48 Stunden den Song „We are Pari“ (benannt nach dem Mode-Label) samt Video.

Daraus ist ein schneller Sommerhit geworden. Im Video zu sehen: „NerdByNature“, wie er sich den Poncho überzieht, und sein Kater mit großen blauen Augen, der die Cap trägt und erstaunt scheint, als der Rapper beginnt, zu tanzen. Im Video ist der 27-Jährige in einem bunten Planschbecken zu sehen, in dem er laut Songtext „von Moers nach Kalifornien“ schwimmt und witzelt, dass er sein Sixpack für den Videodreh trainiert habe. Als er den Poncho hochschiebt, um das zu demonstrieren, ist allerdings nur ein zerknittertes weißes T-Shirt zu sehen.

Das ist nicht die einzige Zeile im Lied, die die gesellschaftliche Vorliebe für durchtrainierte Körper aufs Korn nimmt. An anderer Stelle witzelt er gegen den schlanken Comedian Joko Winterscheidt: „Das trägt Joko auch, denn in Pari sieht auch jeder Lauch wie ein Gewinner aus“. Das ist allerdings kein Zufall, denn der TV-Moderator Joko Winterscheidt betreibt mit Paul Ripke einen eigenen Podcast unter dem Titel „Alle Wege führen nach Ruhm“ und ist mit dem Fotografen befreundet.

 Bis zur 348. Folge dieses Podcasts ahnte Robin Schwaupa nicht, dass sein Werbesong sich im Internet so stark verbreiten würde. Doch als Joko in „Alle Wege führen nach Ruhm“ erzählt, dass er in weiten Hip-Hop-Klamotten wie ein Löffel aussähe, spielt Ripke ihm die Lauch-Zeile aus Schwaupas Song vor – und bringt Joko dazu, so laut und gackernd zu lachen, wie es die TV-Zuschauer gewohnt sind.

Obwohl Schwaupas Name kein einziges Mal fällt, hat ihm die Textpassage fünf Minuten Ruhm eingebracht. Am 3. Juli ging der Song auf Youtube, Spotify und anderen Plattformen online.

Damit ist der 27-Jährige, der mit seiner Verlobten vor einiger Zeit nach Moers gezogen ist, seinem Traum zumindest ein Stück näher gekommen. Damals in Hünxe, wo er aufgewachsen ist, hat er schon lieber mit seinen Freunden im Partykeller Musik gemacht statt feiern zu gehen. Mit Boxen, Mikrofon und Computer ging es los. Mal waren sie zu zehnt, mal fünf, manchmal auch nur zwei Leute. Der Einzige, der immer dabei war: Schwaupa. Er wurde liebevoll „Streber“ genannt, weil er so diszipliniert ist und mit vollem Einsatz auf seine Ziele hinarbeitet, oder auch „Nerd“, weil er so technikaffin ist. 2012, da war er 19 Jahre alt, brannten Schwaupa und seine Freunde CDs und verteilten sie an alle Bekannten aus dem Dorf. 2014 stellten sie ihre Songs ins Internet.

Während die anderen Musik eher zum Spaß machten, träumte der „Nerd“ davon, irgendwann einmal erfolgreich zu sein. Er trat auf kleinen Festivals auf und merkte schnell, dass reine Hip-Hop-Veranstaltungen nichts für ihn sind. „Da war kein Miteinander, keine Liebe, oft Konkurrenz und Neid“, sagt Schwaupa. Indie-Events sind ihm lieber, da gibt’s auch Rock, Metalheads – Menschen, die offen sind für verschiedene Musikrichtungen. Dort konnte er begeistern. Und er hofft, dass er das bald wieder kann. Denn fünf Minuten Ruhm reichen ihm nicht.