Rheurdt: Prüfer loben Rheurdts Sparsamkeit

Rheurdt: Prüfer loben Rheurdts Sparsamkeit

Bestnoten nach sieben Monaten Check von der Gemeindeprüfungsanstalt. Nur der Straßenkataster hat Schlaglöcher.

Die Ausgangsbedingungen sind denkbar ungünstig: Rheurdt ist mit 30 Quadratkilometern Fläche und rund 6700 Einwohnern eine der kleinsten Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Obendrein sank die Ertragskraft der Gemeinde seit 2010 deutlich - von 881 Euro je Einwohner und Jahr auf aktuell 821 Euro. Um so mehr wiegt das Lob, dass Kämmerer Marcell Schüren für seine Haushaltsführung jetzt von Birgit Cramer-Görtz, Prüfungsleiterin der Gemeindeprüfungsanstalt NRW bekam: "Sie haben in nahezu allen Bereichen Bestnoten. Gratulation." Vor den Ratsmitgliedern, die auch zu diesem exzellenten Prüfungsergebnis beigetragen haben, wurde Schüren ein wenig rot - aber nur ganz kurz.

"In den zurückliegenden fünf Jahren hat Rheurdt seinen Haushalt nur einmal mit einem negativen Saldo abschließen müssen", führte Birgit Cramer Görtz aus. Das war das Jahr 2013, als der Gemeinde die Schlüsselzuweisungen des Kreises abhandenkamen. Die Scharte ist längst ausgewetzt. Rheurdt habe nur geringe Verbindlichkeiten und eine ausreichende Kraft zur Selbstfinanzierung. "Der Konsolidierungsdruck ist gering." Zwar schließen die Haushalte der Jahre 2017 bis 2019 im Minus. Doch diese Defizite zahlt Rheurdt selbst - aus seiner mit 3,2 Millionen Euro gut gefüllten Spardose, im Verwaltungsdeutsch "Ausgleichsrücklage" genannt. Ab 2020 plant der Kämmerer, wieder Jahr für Jahr Überschüsse zu erwirtschaften. In sieben Bewertungskategorien gab es einmal die bestmögliche Note, fünf mal den zweitbesten Wert. Nur beim Straßenkataster schludert Rheurdt nach Meinung der Prüferin: Da stützt sich die die Stadtverwaltung auf Daten aus dem Jahr 2008, die nur auf Papier vorliegen. Das bestrafte Cramer-Görtz mit einem "Mangelhaft" und riet zur Anschaffung einer Spezialsoftware, in der der Erhaltungszustand regelmäßig aktualisiert werden könne.

Die vom Land geschickten Prüfer ermitteln den Ist-Zustand einer Kommune, vergleichen mit ähnlichen Gemeinden, zeigen Verbesserungspotentiale auf und blicken in die Zukunft. Für Rheurdt sagte Birgit Cramer-Görtz voraus, dass sich die Bevölkerungszahl bis 2040 um 15 Prozent gegenüber dem Vergleichwert von 2014 erhöhen werde.

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Ein besonderes Augenmerk müssen Politik und Verwaltung in den kommenden Jahren auf die Lebensbedingungen der älteren Mitbürger legen. Ihr Anteil werde sich von 20 Prozent im Jahr 2014 auf 40 Prozent im Jahr 2040 verdoppeln. Aber auch da seien die Rheurdter Entscheider auf einem guten Weg. Cramer-Görtz nannte als positives Beispiel die Überlegungen für einen Mehrgenerationen-Spielbereich. Angesichts der Rahmendaten wäre es falsch, bloß einen normalen Kinderspielplatz zu planen.

Falls die Zukunft holpriger wird als derzeit gedacht, enthält der Prüfbericht Hinweise auf kommunale Stellschrauben, um mehr Geld von den Einwohnern zu bekommen. So könne man die Anwohner stärker als bisher an den Erhaltungskosten für Straßen und Wege beteiligen. Zudem steckten bei den Friedhofsgebühren und im Winterdienst noch bislang ungenutzte Möglichkeiten zur Refinanzierung von Rheurdt. Die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung im Rahmen des Offenen Ganztags könnten ebenfalls noch angehoben werden. Die Sporthalle in Schaephuysen sei eigentlich eine freiwillige Leistung der Stadt.

Der Minuspunkt: Bei den Verkehrswegen führe die mangelhafte Datenlage dazu, dass Rheurdt Werte verzehre, anstatt sie zu erhalten.

(RP)