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Prozess um Rennen in Moers: „Opfer wäre wohl auch mit Gurt gestorben“

Prozess um illegales Autorennen in Moers : „Opfer wäre wohl auch mit Gurt gestorben“

Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen zwei 22 Jahre alte Duisburger, die sich am Ostermontag in Meerbeck ein Autorennen mit tödlichem Ausgang lieferten.

Mit hängenden Köpfen lauschen die beiden 22 Jahre alten Angeklagten im Gerichtssaal den Ausführungen der Rechtsmedizinerin. Die Sachverständige hat die Leiche der 43 Jahre alten Mutter aus Moers obduziert, die als unbeteiligte Autofahrerin am Ostermontag bei einem Zusammenprall mit einem 612 PS starken Mercedes verletzt wurde und später im Krankenhaus starb (unsere Redaktion berichtete).

Einen massiven Blutverlust der 43-Jährigen, der schließlich zum Hirnversagen und zum Tod geführt habe, beschreibt die Rechtsmedizinerin. Von einem schweren Thoraxtrauma und einer durch eine Rippe perforierten Lunge ist die Rede. Medizinische Fachbegriffe fallen, Obduktionsfotos werden im Gerichtssaal beschaut. Wahrscheinlich, sagt die Rechtsmedizinerin, sei das Opfer nicht angeschnallt gewesen. Eine Rolle habe das aber wohl in diesem Fall nicht gespielt – die „todesursächlichen Verletzungen“, sie wären durch die Rotationsbewegung des Kleinwagens nach dem Zusammenstoß auch mit Anschnallgurt passiert.

Fast eine Stunde dauert die Aussage der Sachverständigen. Eine Pause könnten die Prozessbeteiligten nun wohl alle gebrauchen, sagt der Vorsitzende Richter danach, und unterbricht für 20 Minuten.

Zusätzlich zur Sachverständigen sind zwölf weitere Zeugen geladen, die am Mittwoch vor Gericht befragt werden. Ein Paar aus Moers beispielsweise, dem der weiße Range Rover – einer der beiden am Wettrennen beteiligten Fahrzeuge – schon am Mittag vor dem tödlichen Rennen aufgefallen war. Mit hoher Geschwindigkeit sei der Wagen auf sie und ihren Lebensgefährten zugefahren, so dass der Lebensgefährte mit dem Pkw nach rechts habe ausscheren müssen. Dann habe das Fahrzeug neben ihnen gehalten – und der Fahrer dem Paar die Zunge rausgestreckt.

Ob sie den Fahrer erkannt habe, wird die Zeugin gefragt. Sie nickt, zeigt auf den 22-jährigen Angeklagten, dem die Staatsanwaltschaft die Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge vorwirft. Dem zweiten Angeklagten, dessen schwarzer Mercedes (612 PS) am Abend des Ostermontags 2019 mit dem Kleinwagen des Opfers kollidiert war, wird zudem Mord vorgeworfen.

Auch weitere Insassen des Range Rovers werden am Mittwoch im Zeugenstand befragt. Sie wollen nichts von einer Verabredung zu einem Rennen gewusst haben, seien vielmehr nur auf dem Weg zu einem Krankenhaus gewesen, da eine junge Frau aus dem Freundeskreis eine Schnittwunde habe versorgen lassen wollen.

Kurz vor der Kollision des Mercedes mit dem Kleinwagen habe ersterer sie überholt, berichtet ein 22-jähriger Schüler, der ebenfalls nichts von einem Rennen gewusst haben will. Nach dem Unfall sei er mit den anderen Insassen aus dem Range Rover ausgestiegen, zunächst zum Mercedes gelaufen. „Der Airbag war draußen, aber es war kein Blut zu sehen“, sagt der 22-Jährige. Dann sei er zu der schwerverletzten Frau gelaufen, deren Zustand sie noch heute im Schlaf einhole. „Ich kann die Schnappatmung der Dame nicht vergessen“, sagt er im Zeugenstand.

Beide Angeklagten hatten am ersten Verhandlungstag über ihre Anwälte einräumen lassen, ein illegales Wettrennen auf der Moerser Bismarckstraße gefahren zu sein. Der Verteidiger desjenigen Angeklagten, der nicht zusätzlich wegen Mordes angeklagt ist, kündigte für Montag eine weitere Einlassung seines Mandanten an.

Der Vorsitzende Richter erklärte am Mittwoch, dass die Kammer plant, die Verhandlung am Montag, dem dritten von fünf angesetzten Prozesstagen, abzuschließen. Die drei Berufsrichter und zwei Schöffen werden dann auch darüber entscheiden müssen, ob der 22-jährige Hauptangeklagte des Mordes an der 43-jährigen Familienmutter schuldig ist.