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Protestaktion gegen Rechts: Moerser bilden Schutzwall für Demokratie

Gegen Rechts : Moerser bilden Schutzwall für Demokratie

Rund 400 Moerser haben sich an einer Protestaktion in der Moerser Innenstadt beteiligt. Fünf Bürgermeisterkandidaten, deren Parteien dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage angehören, sprachen sich für eine offene Gesellschaft aus.

Am späten Samstagvormittag stand in Moers die Welt still, die Welt des Wahlkampfes, die drei Wochen vor dem 13. September in die heiße Phase gegangen ist. Die Stände der CDU, der FDP und des Bürgermeisterkandidaten Markus Helmich auf dem Neumarkt, der Stand der Grünen auf dem Altmarkt sowie das Büro der SPD in der Kirchstraße waren auf eine Notbesetzung heruntergefahren. Die Anhänger der demokratischen Parteien sowie Schüler, Gewerkschafter und Moerser Bürger versammelten sich am Rathaus, um gemeinsam eine Menschenkette als symbolischen Schutzwall um das Rathaus zu bilden. Das Motto der Demonstration lautete: „Gemeinsam schützen wir unsere Demokratie – Keine Rechtsradikalen in den Stadtrat und in Kreistag.“

Die knapp 400 Demonstrationsteilnehmer, die es nach der Schätzung der Polizei waren, hatten Schals, lange Tücher, Stoffstreifen, Transparente und Fahnen mitgebracht, um in der Menschenkette einen Abstand von zwei Metern halten zu können. Sie schlossen die Kette zwischen der Stadtgrabenbrücke und dem Nordring, nachdem sie zu einer Hälfte vom Rathaus Richtung Rheinberger Straße und zu anderer Hälfte Richtung Unterwallstraße gegangen waren. Nachdem sie die symbolische Schutzkette auf dem Wall aufgelöst hatten, kehrten sie zum Rathaus zurück.

Hajo Schröder, der zusammen mit einer Gruppe von Verdi-Vertrauensleuten bereits im Januar die Idee zur Menschenkette hatte, stimmte die Teilnehmer mit einem Gedicht von Hanns-Dieter Hüsch ein. Er ließ es in einer vertonten Fassung vom großen Moerser Künstler selbst sprechen: „Den möchte ich sehen, der mir verbietet, mich mit einem Christen, einem Sozialdemokraten oder einem Kommunisten an einen runden Tisch zu setzen.“

Nachdem sich die Menschenkette aufgelöst und die Teilnehmer sich wieder vor dem Rathaus zur Abschlusskundgebung versammelt hatten, nahm Schröder konkret die AfD in den Blick: „Die AfD tritt zur Stadtratswahl in Moers und zur Wahl des Kreistages Wesel an. Lokal hat sie inhaltlich nichts vorzuweisen. Dies macht sie aber nicht weniger bedrohlich für unsere Demokratie und unsere offene Gesellschaft. Wir brauchen keine AfD.“

Die fünf Bürgermeisterkandidaten, deren Parteien dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage angehören, sprachen sich in kurzen Appellen für eine funktionierende Demokratie und eine offene Gesellschaft aus. Die parteilosen Bürgermeisterkandidaten Torsten Gerlach und Markus Helmich hatten den Wahlkampf zwar auch für die Demonstration unterbrochen und waren zum Rathaus gekommen, gingen aber nicht ans Mikrofon.

Diana Finkele nannte in ihrem Appell die Namen Moerser jüdischen Glaubens, die an der Burgstraße und der Kirchstraße gelebt hatten, 1942 nach Riga und Theresienstadt deportiert wurden, wo sie von den Nationalsozialisten ermordet wurden. „Es geschah damals, mitten unter uns“, sagte die parteilose Bürgermeisterkandidatin der Grünen. So etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Christoph Fleischhauer hob die Errungenschaft der Demokratie hervor, die nicht selbstverständlich sei, wie das Beispiel Hong Kong zeige. „Moers war, ist und wird immer bunt bleiben“, unterstrich der christdemokratische Bürgermeister und Bürgermeisterkandidat. „Moers wird niemals braun werden.“ Claus Peter Küster erzählte von seiner Mutter, die Irin war. „Ich bin in Moers aufgewachsen“, sagte der Bürgermeisterkandidat der Grafschafter. Er kenne viele Menschen, die wie er nach der Definition der Neonazis keine Moerser mehr wären. Gerade diese Menschen würden die Stadt lebenswert und bunt machen.

Dino Maas hob hervor, die Liberalen ständen für Demokratie, Freiheit und Integration. „Moers ist bunt“, unterstrich der liberale Bürgermeisterkandidat. Er erläuterte, warum die FDP bei der Demonstration dabei war, sich aber nicht in die Menschkette gestellt habe, weil dadurch symbolisch der Zugang zum Rathaus verschlossen worden wäre.

Ibrahim Yetim bedankte sich bei allen, die zur Demonstration gekommen waren. „Die AfD kann unsere Gesellschaft spalten“, warnte der SPD-Bürgermeisterkandidat und Landtagsabgeordnete. Er appellierte an alle, am 13. September wählen zu gehen und die demokratischen Parteien zu wählen.