Moers: Premiere von "Hollywood am Niederrhein"

Moers : Premiere von "Hollywood am Niederrhein"

Thommie Black, Redakteur bei der Filmzeitschrift "Der Schnitt", präsentierte im Schloss insgesamt vier Kurzfilme und ließ zwischendurch Intendant Ulrich Greb und das Schlosstheater-Ensemble auch persönlich zu Wort kommen.

Eitel, intrigant, hysterisch, weinerlich und rundum chaotisch, so haben die Moerser die Ensemblemitglieder ihres Schlosstheaters noch nie gesehen. Drei Jahre lang hat der private Fernsehsender "Studio 47" seine Kameras immer wieder hinter die Kulissen verschiedener Inszenierungen gehalten und dabei eine Fülle skurriler Szenen gesammelt.

An diesem Mittwoch feierte der fertige Film unter dem Titel "Hollywood am Niederrhein" im Moerser Schlosstheater Premiere. Vor nahezu ausverkauftem Haus präsentierte Thommie Black, seines Zeichens Redakteur bei der Filmzeitschrift "Der Schnitt", insgesamt vier Kurzfilme und ließ dabei zwischendurch Intendant Ulrich Greb und seine Chaostruppe auch persönlich zu Wort kommen. Nach dem Motto "Echo war gestern, Hollywood am Niederrhein ist heute" hatten die Besucher das Schlosstheater zuvor über einen roten Teppich betreten, während drinnen Patrick Dollas schon als aufdringlicher Bauchladenverkäufer darauf wartete, ihnen für je einen Euro diverse Süßigkeiten und Getränke anzudrehen und sich damit auch anschließend von Moderator Thommie Black und seinen Begrüßungsworten nicht aufhalten ließ.

Schließlich konnte der erste Film starten. Was er dann zeigte, war in der Tat chaotisch. So tranken die Damen des Ensembles darin in der Garderobe vor einer Probe genüsslich Sekt, während Matthias Heße versuchte, seinen barocken Körper mit einer unendlich langen Bahn von Klarsichtfolie zu umhüllen, und Kollege Patrick Dollas mal eben verbotenerweise auf dem Klo rauchend einen riesigen Feuerwehreinsatz auslöste, was die angesetzte Probe schließlich zum Platzen brachte. "Na ja. Das Team ist alles", kommentierte Intendant Ulrich Greb das Gezeigte in einem anschließenden Interview, bei dem er von Matthias Heße übereifrig gestützt wurde, und auch mental etwas hilfsbedürftig wirkte.

Und so ging es weiter. Mal ließ sich der offenbar extrem hypochondrischer Frank Wickermann nach einem Probensturz von Marissa Möller den Rücken mit einer heilsamen Paste aus Maulwurfsfett und Knoblauch einreiben, und verlangte anschließend von Ulrich Greb eine "wesentlich höhere Gage", was der mit dem Hinweis darauf, dass man doch Kunst mache, erfolgreich abzuwehren verstand.

Ein anderes Mal beschwerte sich Magdalene Artelt vor einem Auftritt auf der Moerser Weihnachtsmarktbühne telefonisch über ihren schauspielerischen "Abstieg" von Berlin in die Moerser Theaterprovinz, während Patrick Dollas seinem Kollegen Heße wenig später in der Garderobe gestand, dass er von Anfang an Angst vor ihr gehabt habe.

Entsprechend bösartig attackierten sich die beiden bei ihrem gemeinsamen Interview mit Moderator Black, was sie allerdings nicht daran hinderte, zwischendurch wild knutschend über einander herzufallen. Nicht ganz so wild, dafür aber voll eitler Selbstgefälligkeit präsentierte sich dagegen der weibliche Neuzugang des Moerser Schlosstheaters Lena Entezami. "Ja." Sie halte sich in der Tat für eine echte Ensemblebereicherung, erklärte sie bei ihrer Befragung und lächelte dabei immer wieder kokett in die Zuschauermenge. Daneben beklagte sich Dramaturgin Annika Stadler bei ihrer Befragung mit tränenerstickter Stimme über die mangelnde Akzeptanz des Schlosstheaters bei den Moerser Bürgern. Bei allen an diesem Abend hinter den Kulissen enthüllten Querelen nahm man am Ende dann aber doch wieder gemeinsam lächelnd den Applaus des Publikums entgegen. War halt alles nur Theater. Wer hätte auch etwas anderes gedacht?

(RP)
Mehr von RP ONLINE