Poetry Slam in Moers: Jung, kreativ – poetisch

Poetry Slam in Moers : Jung, kreativ – poetisch

Im Bollwerk 107 wurde am Wochendende die zweite Stadtmeisterschaft im Poetry Slam ausgetragen.

Lyrik, Gedichte und Poesie sind altmodisch, langweilig und gehören in längst vergangene Zeit zu Goethe und Heine? Wer dieser Meinung ist, sollte sich die jungen Poeten und Texter bei Poetry-Slams anhören und sich eines Besseren belehren lassen. Poetry Slams sind Veranstaltungen, bei denen Künstler mit selbst verfassten Texten gegeneinander antreten. Brandaktuelle Themen aus der Politik und Gesellschaft werden dabei genauso angesprochen wie persönliche Erfahrungen und Gefühle. So auch am Freitag, wo im Bollwerk 107 die zweite Stadtmeisterschaft im Poetry Slam ausgetragen wurde.

Die Vorrunden fanden sowohl im Bollwerk als auch in der Röhre statt. Angetreten sind Stef aus Bochum, Antje Haupt (Duisburg), Elena Nern (Duisburg), Benno Janßen (Herne) und Max Raths (Viersen). Moderiert wurde der Slam von Sarah Dickel und Markim Pause. Die Regeln des Poetry Slams: Die Texte müssen selbst geschrieben sein; es gibt ein Zeitlimit von sechs Minuten; keine Requisiten oder Verkleidungen. Für das Publikum und die daraus ernannte Jury gilt: Respect the Poet!

In den ersten beiden Runden traten alle Teilnehmer an, die Jury konnte Punkte von eins (schlechteste Wertung) bis zehn (beste Wertung) vergeben. Im Finale traten die beiden Punktbesten an.

Stef und Antje Haupt zeigten sich gesellschaftskritisch. Das Klischee des „maskulinen Mannes“, der keine Gefühle zeigen oder anders sein darf, sowie das fehlerhafte System, das Auswirkungen auf die Kinder hat, werden in Stefs Texten angesprochen. Die Mainstream-Gesellschaft, in der es mehr zählt, was auf dem Kopf (die Frisur) als im Kopf ist, wird von Antje auseinandergenommen, bevor sie in der zweiten Runden mit einem Text über den Umgang mit einer schweren Krankheit und dem „es geht schon“ des Betroffenen berührt. Elena Nern lässt bekannte, tote deutsche Dichter in ihrem Gedicht antreten und spricht im zweiten Gedicht „Drachenreiter“ Ängste und Veränderung an. Den Comedy Faktor bringt Benno Janßen ins Spiel und Max Raths ist mit seinem Tempo und Reimen der Rapper des Abends.

Raths und Antje Haupt standen sich im Finale gegenüber, in dem Haupt den geschriebenen Text selbst zu Wort kommen lies und damit den Sieg vor Raths Vortrag über die Liebe davontrug. Die Gewinnerin erhielt die Goldene Ananas der Stadtmeisterschaft und könnte im nächsten Jahr ihren Titel verteidigen.

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