Poetry-Slam in Moers: Ein Wettkampf der Wörter auf der Suche nach Sinn.

Poetry-Slam in Moers : Ein Wettkampf der Wörter auf der Suche nach Sinn

Der Poetry Slam im Moerser Schlosshof verließ rasch das Frauenwahlrecht und kümmerte sich um die Liebe.

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen. „Gut so!“ ruft man als Mann. Und will durch den Hinterausgang des Moerser Schlosshofes in den Park entschwinden. Doch diesen Sommernachtstraum vereitelt die Journalistin Sarah Dickel. Die Chefin der Poetry Slammer zückt den Zauberstab, murmelt einen äußerst wirksamen „Setzen“-Zauber und schon verharrt man als Mann an diesem lauen Samstagabend vor historischer Kulisse.

Mann als Minderheit: Wir sind nicht mal zehn Männer, als Beimischung zu 70 Zuhörerinnen. „Poetry Slam“ ist angesagt, ein Wettkampf der Wörter auf der Suche nach Sinn. Fünf Vortragende tragen ihre Seele auf die Bühne – ein Mann und vier Frauen. Sie machen durch ihre textgewordenen Gedanken diesen schönen Abend zu einem außergewöhnlichen Abend.

Der Wettbewerbsteil ist rasch erzählt. Fünf Menschen tragen jeweils sechs Minuten lang vor. Eine Jury bewertet das Gehörte und Gesehene – und auch das Unerhörte im Gehörten. Dann folgt eine zweite Runde – in umgekehrter Reihenfolge. Punkte aufaddieren und Finalteilnehmerinnen festlegen. Am Ende erhält Lena Meckenstock eine Flasche Rosé als Siegerinnen-Schluck. Lena wurde Mitte 2018 erste Moerser Stadtmeisterin im Poetry Slam; die Jury an den Nummern-Täfelchen hat sich für Sicherheit entschieden.

Warum sich die Stand-Up-Poeten jedoch ranken lassen müssen – und das offenbar auch selbst wollen – bleibt ein Geheimnis. Sven Hensel, Jasmin Sell, Kim Catrin und Felicitas Friedrichs haben mindestens ebenso viel zu diesem famosen Schlosshofabend beigetragen. Nur anfangs ging es ums Wählen – als das Tageslicht schwand, landeten alle Vortragenden bei der Liebe. Vom Kreuz für die Politik näherten sich alle mit Lichtgeschwindigkeit dem Kreuz einer Beziehung zwischen zwei Menschen, die nur selten dasselbe zur gleichen Zeit wollen.

Lena Meckenstock erzählte zornig von einer gescheiterten Beziehung – einer klassischen, zwischen Mann und Frau. Sven Hensel gab seiner kleinen Nichte alle besten Wünsche mit auf den Weg, damit ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Kim Catrin mag lieber Frauen als Männer, was auch nicht problemfrei zu sein scheint. Und Felicitas Friedrichs las ihren Mit-Frauen die Leviten. Sie seien eigentlich das Problem. Als es nach mehr als zwei Stunden vorüber war – gingen alle heim. Gut gestimmt und mit einem großen Rucksack voller Sätze, über die es sich nachzudenken lohnt.

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