Moers: Poetry-Slam: "Ich will nicht funktionieren"

Moers : Poetry-Slam: "Ich will nicht funktionieren"

Bei der großen Performance der Instant-Dichter setzte sich im Moerser Bollwerk der Essener Florian Stein durch.

Schon im Halbfinale hatte sich beim Poetry Slam ein Kopf-an-Kopf-Rennen abgezeichnet. Lukas Knoben aus Mönchengladbach hatte mit seinem Vortrag "Manchmal will ich richtig dumm sein" 27 von 30 Punkten geholt, Florian Stein aus Essen mit seiner Performance "Ich will auch einmal nicht funktionieren" bekam 28. Im Finale im Moerser Bollwerk setzte sich das Kopf-an-Kopf-Rennen fort. Bei beiden applaudierten die Zuschauer gleich lang, beim Essener aber etwas intensiver als beim Mönchengladbacher. So gewann Stein die goldene Ananas, die ihm von den Moderatoren Helge Goldschläger und Markim Pause überreicht wurde.

Der spätere Sieger hatte schon in der Vorrunde mit einem impulsiven und theatralischen Vortrag die Zuschauer überzeugt, von denen mit 65 zehn mehr als beim letzten Poetry Slam im Oktober gekommen waren. Sechs Minuten lang hatte er erzählt, welche Gedanken ihm auf dem Brett beim Sprung ins kalte Wasser, vor dem großen Abgrund, durch den Kopf gehen. 26 von möglichen 30 Punkten hatte er dafür von den Zuschauern erhalten, die eingeteilt in fünf Gruppen gleichzeitig die Jury gebildet hatten, wobei die schlechteste und beste der Wertungen nicht berücksichtigt werden. Genauso viele Punkte hatte Lukas Knoben für sich gewinnen können, der beim Poetry Slam im Oktober den zweiten Platz belegt hatte. Damit hatten die beiden die anderen Teilnehmer deutlich hinter sich gelassen, von denen es mit sieben zwei mehr waren als bei der letzten Ausgabe waren: Little Dead Boy aus Duisburg mit 16 Punkten, Newcomer Thomas Bader aus Moers mit 16 und Max Raths aus Viersen mit 22. Mit Malte Küppers aus Duisburg und Michael Goehre aus Essen, die 23 und 25 Punkte erzielt hatten, kamen sie ins Halbfinale. Dort setzten sie sich mit 27 und 28 Punkten jeweils klar durch.

Im Finale, das nach Länge und Intensität des Klatschens aller Zuschauer bewertet wird, setzten beide auf gesellschaftskritische Themen. Lukas Knoben stellte auf einer Australienreise fest: "Deutschland, ich hab' dich so vermisst." Er zählte die positiven und negativen Seiten der Bundesrepublik auf, um dann zu ein "bisschen mehr" Mitmenschlichkeit und ein "bisschen weniger" Streit aufzurufen. Florian Stein skizzierte einen Konsumjunkie, der nicht auf dem Teppichboden bleiben will, sondern auf dem Marmorboden, obwohl er dort eine innerliche Leere verspürt. "Ein politisches Thema kommt nicht bei jedem Publikum an", meinte der 27-jährige Student der Sprachwissenschaften, nachdem er die goldene Ananas gewonnen hatte, die mit keinem Geldpreis verbunden ist.

Ob er beim nächsten Poerty Slam in zwei Monaten dabei sein wird, konnte er noch nicht sagen. Dazu lädt das Bollwerk am Moerser Bahnhof für den 10. Februar ab 20 Uhr ein. Außerdem veranstaltet es am 13. Januar den nächsten Song Slam.

(RP)
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