Moers: Platzvergabe: Moerser Schüler haben jetzt Vorrang

Moers: Platzvergabe: Moerser Schüler haben jetzt Vorrang

Kinder und Jugendliche aus Nachbarkommen haben künftig nur dann eine Chance, wenn alle Moerser mit ihrer Schulwahl versorgt sind. Die Schulen sehen das kritisch.

Dass Moers in fachlicher und baulicher Hinsicht ein außergewöhnlich gutes Schulangebot hat, hat sich rumgesprochen. Deshalb kommen sie aus Duisburg-Baerl, aus -Homberg oder aus Rheurdt - zum Beispiel, um am Adolfinum Latein zu lernen. Zwei Züge hält die Stadt Moers derzeit für Schüler aus anderen Kommunen vor. "Das ist Schulraum in der Größenordnung einer Grundschule", sagt Beigeordneter und Schuldezernent Claus Arndt. Im Grundschulbereich liegt der Prozentsatz der auswärtigen Schüler im laufenden Schuljahr bei 2,2 Prozent, an den weiterführenden Schulen bei 16,6 Prozent. 1230 von insgesamt 7391 Schülern an Moerser Gymnasien, Gesamt-, Real- und Hauptschulen kommen nicht aus der Stadt.

Weil zusätzlicher Schulraum am Ende auch eine finanzielle Belastung ist - die laufenden Unterhaltungskosten müssen in jedem Fall vom Schulträger aufgebracht werden -, wollen Verwaltung und Politik den weiteren "Zuzug" externer Schüler jetzt einschränken. Der Stadtrat hat in dieser Woche die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans verabschiedet. Der sieht unter anderem vor, dass Moerser Schüler bei der Platzvergabe an Moerser Schulen grundsätzlich Vorrang vor Schülern aus Nachbarkommen haben - sofern Letztere die jeweilige Schulform auch selbst anbieten.

"Die Verwaltung ist der Auffassung, dass auswärtige Schüler nur dann einen Schulplatz in den Moerser Schulen erhalten können, wenn zuvor die ,eigenen Moerser Kinder' mit ihrer Schulwahl versorgt sind", sagt Arndt. Sofern das gewährleistet sei, könnten auswärtigen Schüler nachrangig aufgenommen werden. Einen Schulausbau mit dem Ziel, Plätze für Schüler aus anderen Städten und Gemeinden zu schaffen, lehnt die Stadt derzeit ab. "Das Thema ist bei den Schulleitern nicht sehr beliebt", sagt der Schuldezernent.

Unmut gibt es zum Beispiel an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Weil die Gesamtschule als Schulform zur Erfüllung ihres Bildungsauftrags eine angemessene Leistungsheterogenität benötigt, hält die Schulkonferenz dort die Möglichkeit zur Aufnahme auswärtiger Schüler in einem angemessenen Umfang - auch im Interesse aller Moerser Kinder - "für zwingend erforderlich". Die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung habe den Ratsbeschluss, dass zuerst Moerser Schüler aufgenommen werden müssen, aber bestätigt, sagt Arndt.

Auch am Adolfinum wird die mittelfristig geplante Beschränkung auf vier Züge bedauert. Die Verwaltung wurde gebeten, zu prüfen, ob die Fünfzügigkeit durch bauliche Maßnahmen auch bei G 9 erhalten werden kann. Auch das lehnt die Stadt derzeit ab. Nach einer Rückkehr des Adolfinums zu vier Zügen, heißt es, stünde mit 15 Zügen stadtgebietsweit ausreichender Gymnasialschulraum zur Verfügung. Alle Gymnasialwünsche von Moerser Schülern könnten weiterhin erfüllt werden.

"Die Schulen haben die Befürchtung geäußert, dass die Lehrqualität nicht gehalten werden kann", sagt Arndt. "In wie weit sich die Reduzierung von Zügen auf diese auswirkt, hat bisher aber auch noch niemand schlüssig dargelegt. Fakt ist: Wir haben hier einen rein quantitativen Schulplan aufgestellt, der auch nicht in Stein gemeißelt ist." Ziel der Verwaltung sei es nicht, externe Schüler konsequent auszuschließen. Die finanzielle Lage zwinge Moers im Moment aber dazu, den Zugang zu beschränken.

Die CDU hat sich bei der Abstimmung zur Schulentwicklungsplanung am Mittwoch enthalten. Fraktionschef Ingo Brohl plädiert dafür, auf die Nachbarkommunen zuzugehen. "Dass Schüler von außerhalb nach Moers kommen, hat ja nicht nur Nachteile", sagt er. "Diese Schüler konsumieren auch hier. Und sie lernen Moers kennen." Und kommen irgendwann vielleicht auch zum Wohnen und Arbeiten her.

(RP)