Moers: Plastikmüll-Uhr tickt im Bettenkamper Meer

Moers: Plastikmüll-Uhr tickt im Bettenkamper Meer

Der Künstler Pit Bohne will mit seinem neuen Kunstprojekt auf den Kunststoffmüll in den Ozeanen aufmerksam machen. Es schwimmt jetzt im Naturfreibad

Inspirieren ließ sich Pit Bohne vom Gemälde "La Persistencia de la Memoria" von Salvador Dalí, das in Deutschland meist nicht wörtlich mit "Die Beständigkeit des Gedächtnisses" übersetzt wird, sondern mit "Die weichen Uhren". Denn auf dem Bild aus dem Jahr 1931, das seit 1934 im Museum of Modern Art in New York hängt, lässt der surrealistische spanische Maler drei Zifferblätter wie drei warme Camemberts dahinfließen. Der Spanier spielt in seinem bekanntesten Gemälde mit den Begriffen Weichheit und Härte, Dynamik und Konstanz, die über die Zeit miteinander verbunden sind, deren Symbol die Uhr ist. Genauso spielt Pit Bohne in seinem Kunstprojekt "Unser Müll im Meer" mit diesen Begriffen, mit dem er auf die Verschmutzung der Ozeane mit Kunststoff aufmerksam machen will.

Der 62-jährige Repelener Künstler ließ sich von der Enni zwölf ausrangierte Kunststoffmülltonnen geben, in die Moerser einstmals ihren Hausmüll gekippt hatten. Er beschwerte sie mit 40 Kilogramm Betonsteinen, damit sie senkrecht auf der westlichen Seite des Bettenkamper Meeres schwimmen können, dort wo seit 2014 seine Skulptur Wasserwesen aus dem Nass emporsteigt. Er befestigte im oberen Teil jeweils zwei Beine von Schaufensterpuppen, als ob ein Mensch mit seinem Kopf zuerst in die Mülltonne hineingekrochen sei. Um die Tonnen drapierte er Kunststoffabfälle, die sonst im gelben Sack oder der gelben Tonne landen, etwa Folien, Schalen oder Flaschen. Er befestigte die Tonnen mit Seilen, damit sie sich wie Bojen im Wasser wiegen können, aber gleichzeitig zwölf Striche auf dem runden Ziffernblatt einer gedachten Uhr symbolisieren. "Plastik kann weich oder hart sein", sagt der Künstler. "Er ist leicht und schwer abbaubar. Es gibt keinen Ort auf der Erde ohne Plastikmüll. In jedem Quadratkilometer der Meere schwimmen heute hunderttausende Teile Plastikmüll. Plastik zerfällt auf Nanogröße und wird zum falschen Plankton des Meeres, des Meeres, aus dem einst das Leben entstand. Die Uhr tickt, und der Verursacher taucht langsam ab. Irgendwann ist der Erdball ein Plastikball."

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Plastik sei langlebig, sagte Otto Laakmann, der Vorsitzende des Freundeskreises Bettenkamper Meer, nach der offiziellen Eröffnung am Freitagnachmittag. Es dauere bis zu 400 Jahre, bis das weiche Material vergehe. Plastik gelange in die Nahrungskette der Fische und damit in die Nahrungskette der Menschen. Meist stamme er von Schiffen, die ihren Müll im Meer entsorgten, oder Küstenstädten in Südostasien, die das gleiche machten.

Der Freundeskreis hat alle Kindergärten und Schulen sowie einige Vereine in Moers angeschrieben, das Kunstprojekt "Unser Müll im Meer" zu besuchen. Für die jungen Besucher hat er einen dreiseitigen Text zusammengestellt, in dem sie Ursachen und Folgen der Verschmutzung kennenlernen können. Anders als das Gemälde "Die weiche Uhr" tickt die "Plastiktonnenuhr" nicht ewig, sondern bleibt Mitte September stehen, wenn sie wieder vom Künstler aus dem Bettenkamper Meer an der Krefelder Straße herausgeholt wird, nachdem die Badesaison beendet ist.

(got)
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