Pläne für den Umbau der Bahnhofstraße in Kapellen

Moers: Baum-Allee in Kapellen muss Radweg weichen

Die Enni hat ihre Pläne für die Neugestaltung der Bahnhofstraße auf Wunsch der Politik überarbeitet. Dadurch können mehr Bäume erhalten bleiben. An einer Stelle geht aber die Sicherheit der Menschen vor.

Was ist im Zweifel wichtiger: Der Erhalt von Grün oder die Sicherheit der Radfahrer? Auf diese Frage hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Umwelt jetzt eine klare Antwort gegeben: "Mensch vor Baum!", sagen die Kommunalpolitiker - und zwar einstimmig.

Konkret heißt das: Im Zuge der Straßenplanung für den Ortskern Kapellen wird auf dem Abschnitt Bahnhofstraße, zwischen Grafschafter Rad- und Wanderweg und Nieper Straße, die bestehende Baum-Allee einer breiteren Straße und einem nicht überfahrbaren 1,85 Meter breiten Radfahrstreifen weichen müssen. Als Ersatz sind sieben Neupflanzungen vorgesehen. "In diesem Fall sind wir klar für die Radfahrer und gegen die Bäume", sagte Julia Zupancic (CDU). Alle anderen Fraktionen im Ausschuss sahen das genauso. Grundsätzlich, betonte Gudrun Tersteegen (Grüne), sei der Ansatz, unterm Strich zehn Bäume erhalten zu wollen, gut und lobenswert. Dass in diesem speziellen Fall die Sicherheit der Radfahrer vorgehe, sähen aber auch die Anwohner so.

Zur Erklärung: Im September vergangenen Jahres hatte die Enni erste Entwürfe zur Umgestaltung des Kapellener Ortskerns vorgestellt, in die auch Anregungen aus einer Bürgerversammlung eingeflossen waren. Trotzdem gab es für die Pläne damals nicht nur Beifall. Vor allem die Grünen waren entsetzt darüber, dass 47 von 57 an der Bahnhofstraße stehenden Platanen dem Verkehrsprojekt zum Opfer fallen sollen. Also forderte die Politik eine Nachbesserung mit dem Ziel, möglichst viele Baumstandorte zu erhalten - und die hat sie bekommen. Bei einem Ortstermin Anfang Februar wurde die Ist-Situation unter die Lupe genommen. Jetzt hat der Ausschuss grünes Licht für die überarbeiteten Pläne gegeben, die die Enni damit umsetzen kann.

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In allen Fällen - bis auf den Planungsabschnitt zwischen Grafschafter Rad- und Wanderweg und Nieper Straße - kommt die "Variante neu" zum Zug. Konkret bedeutet das: Auf dem Abschnitt zwischen Moerser Straße und Sparkasse wird mit dem Eigentümer des Gebäudes, in dem die Volksbank untergebracht ist, über einen Flächentausch verhandelt. Der überwiegende Teil der Gehwegfläche vor dem Gebäude ist derzeit nämlich in Privatbesitz, die Straße dahinter hingegen öffentlich gewidmet. Durch den Tausch - so der Plan - kann der Platz vor dem Gebäude neu gestaltet werden. Geplant, sagt die Enni, sei es, mindestens drei neue Bäume zu pflanzen. Außerdem soll es Fahrradbügel und Sitzbänke geben.

Auf dem Abschnitt zwischen Gemeindehaus und Schulstraße werden die Stellplätze - entgegen der bisherigen Planung - auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt. Dadurch können weitere sieben Bäume erhalten bleiben. Zwischen Schulstraße und Industriestraße hingegen muss, um zwei vorhandene Bäume zu schützen, auf drei Parkplätze verzichtet werden. Würde auf den Erhalt der Bäume verzichtet, sagt die Enni, könnten vier Parkbuchen realisiert werden, ansonsten sei nur noch Raum für einen Stellplatz.

Zwischen Grafschafter Rad- und Wanderweg und Nieper Straße werden alle Bäume gefällt, um Platz für den breiteren Radweg und die Straße zu schaffen - sie stehen unmittelbar an der Bordsteinkante. Mit der "Variante neu" hätten in diesem Fall sechs Bäume gerettet werden können. Der Fahrradstreifen wäre dann aber nur noch 1,25 Meter breit und überfahrbar gewesen. Insgesamt werden an der Bahnhofstraße 40 Bäume weichen - sieben weniger als ursprünglich geplant.

(RP)