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Moers: Pflegezentrum soll Ausflugslokal werden

Moers : Pflegezentrum soll Ausflugslokal werden

Der Rheinberger Unternehmer Gerardus Aaldering möchte anstelle des Pflegezentrums am Silbersee ein Restaurant und Wochenendhäuser errichten. Bis in die 1970er-Jahre war der See ein beliebtes Naherholungsziel der Niederrheiner.

Es gab Zeiten, da pilgerte der halbe Niederrhein zum Silbersee in Kapellen. In der 1926 eröffneten Badeanstalt suchten die Menschen Abkühlung und Zerstreuung. Das zum Bad gehörende Ausflugslokal mit Nachtbar, Kegelbahn, Festsälen und einer 1000 Plätze bietenden Terrasse blieb bis in die 1970er Jahre ein kleiner Ballermann vor der Haustür. Es wurde getanzt, gesungen, gesoffen. Stars gaben sich die Klinke in die Hand, um am Silbersee die Stimmung in die Höhe zu treiben. "Udo Jürgens war da, Peter Kraus, Peter Frankenfeld, Heino, Billy Mo", zählt Joachim Beinicke auf, Autor des Buches "100 Jahre Silbersee".

Der Rheinberger Unternehmer Gerardus Aaldering möchte dem vor 100 Jahren ausgekiesten Tümpel ein Stück seines einstigen Glanzes wiedergeben. Aaldering ist Eigentümer des Pflegezentrums am Silbersee. 1998 übernahm seine Unternehmensgruppe das Seniorenheim, das 1973 im ehemaligen Ausfluglokal eröffnet worden war. "Wir möchten einen Teil des Hauptgebäudes erhalten und zu einem Restaurant mit Außengastronomie umbauen", schilderte Aaldering gestern seine Pläne. Um das Lokal herum möchte er einige Wochenendhäuser gruppieren. Am See stehen bereits einige. Viele stammen aus der goldenen Zeit des Silbersees, einige seien illegal errichtet worden, würden aber, so Aaldering, von der Stadt geduldet.

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Leider seien die Pläne vorerst hinfällig, bedauerte Aaldering. Denn sie waren an den Umzug des Pflegezentrums ins jetzige St.-Marien-Hospital Rheinberg-Orsoy gekoppelt. Es gehört der St.-Josef-Krankenhausgesellschaft Moers, die ihrerseits die in Orsoy ansässige geriatrische Reha-Klinik nach Moers verlagern will. Aaldering und die St.-Josef-Geschäftsführung sollen so gut wie handelseinig gewesen sein. Auf Intervention des Bistums wird nun jedoch überlegt, das Orsoyer Krankenhaus an einen Investor zu verkaufen, der dort Flüchtlingsunterkünfte einrichten möchte.

Es gibt in Rheinberg Zweifel darüber, ob ein großes Flüchtlingsheim sich mit dem kleinen Orsoy (4200 Einwohner) verträgt. So bleibt Gerardus Aaldering die Hoffnung, dass er doch noch zum Zuge kommt. Die St.-Josef-Geschäftsführung sei von seinen Plänen für Orsoy begeistert gewesen. Und der Technische Beigeordnete der Stadt Moers, Thorsten Kamp, steht dem Vorhaben am Silbersee grundsätzlich positiv gegenüber. "Ich habe im damaligen Freibad schwimmen gelernt", sagte Kamp gestern. "Der Ort mit seiner schönen alten Terrasse schreit nach einer Gastronomie. Das wäre ein traumhafter Biergarten und ein schöner Anlaufpunkt für Radtouristen." Allerdings gebe es bisher nur erste Ideen, kein belastbares Konzept. Auf keinen Fall möchte Kamp, dass am See eine Dauerwohnsiedlung entsteht. "Es kann nur um eine reine Freizeitnutzung, ohne Halligalli, gehen."

Aaldering sitzt die Zeit im Nacken. Die Bausubstanz des Seniorenheims ist angegriffen. "Das Gebäude ist am Ende seiner Lebensdauer", schilderte er. "In ein paar Jahren müssten wir neu bauen." Nach heutigen Maßstäben sei der abgelegene Standort des Pflegezentrums, in dem noch gut 50 Frauen und Männer leben, aber nicht optimal. "Heute zählt die soziale Anbindung, deshalb baut man Pflegezentren in der Stadt", sagte der 62-Jährige, der ein Firmenimperium mit Restaurants, Hotels und Pflegeeinrichtungen leitet. Zudem seien die Busverbindungen zum Silbersee nicht gut. "Deshalb haben wir Probleme bei der Mitarbeiter-Akquise."

(RP)