Moers: Pflegepersonal wird gesucht

Moers: Pflegepersonal wird gesucht

Ulrich Petroff vom Kreis Wesel berichtete im Rheinberger Sozialausschuss.

Ulrich Petroff, beim Kreis Wesel anerkannter Experte für den Bereich Pflege, hat schon mehrfach im Rheinberger Sozialausschuss referiert, hat Entwicklungen und Perspektiven aufgezeigt. Jetzt stellte er dem Ausschuss die aktuelle örtliche Pflegeplanung nach dem nordrhein-westfälischen Alten- und Pflegegesetz vor. Sein Fazit: Im Vergleich zur landes- und bundesweit nach wie vor alarmierenden Situation steht der Kreis Wesel ganz gut da - trotzdem gibt es genug zu tun.

Denn die Ausgangssituation bleibt die gleiche. Es gibt immer auf der einen Seite immer mehr alte, auf der anderen Seite immer wenige junge Menschen. Ein Beispiel: 2015 lebten im Kreise Wesel 465.160 Menschen, davon 25.121 in der Altersgruppe 70 bis 75 Jahre. In der dieser Altersgruppe werden es 2040 bereits 33.499 sein. Noch gravierender ist es bei den Menschen ab 80 Jahren. Da springt die Zahl von 27.116 in 2015 auf 47.752 in 2040. "Der Anstieg der älteren Bevölkerung bei gleichzeitiger Abnahme der Gesamtbevölkerung und die Veränderung der Familienstrukturen haben weitreichende Folgen für die Gesellschaft", heißt es in dem Bericht. "Insbesondere werden die Versorgungsstrukturen im Sozial- und Gesundheitsbereich, wozu auch der Pflegesektor gehört, von dieser Entwicklung in hohem Maße betroffen sein." So wird die Zahl der Pflegebedürftigen im Kreis Wesel bis zum Jahr 2040 insgesamt um 12.200 zunehmen.

Eine klare Forderung formulierte Petroff im Ausschuss: "Wir brauchen mehr Personal. Wir müssen erreichen, dass Pflegeberufe nicht als ,Scheiß-Berufe' angesehen werden."

Ulrich Petroff sprach auch den Bedarf an Heimplätzen an. In Rheinberg halten die vier Pflegeeinrichtung - Pflegezentrum am Wiesenhof, Alten- und Pflegheim Kattewall (beide privat), St.-Thekla-Altenheim (St. Josef Moers) und Alten- und Pflegeheim Orsoy (gehört zur Evangelischen Altenhilfe Duisburg) - insgesamt 414 Plätze vor. Diese 414 Plätze decken den errechneten Bedarf bis zum Jahr 2033. 2037 und nach dem Jahr 2040 besteht weiterer Bedarf für je eine neue Einrichtung mit 80 Plätzen. Die Stadt Rheinberg solle sich um die Ansiedlung kleinerer Versorgungseinrichtungen bemühen. Insbesondere könnten ambulant betreute Wohngruppen in diesen Ortsteilen den regionalen Bedarf decken.

Was die Pflegeberufe angeht, so sagte Ulrich Petroff: "Wir haben bereits versucht, für Pflegeberufe zu werben. Wir haben ganz junge Menschen angesprochen, die sich erstmals für einen Beruf entscheiden, aber auch Menschen, die schon eine erste Runde im Berufsleben gedreht haben und vielleicht eine Ausbildung abgebrochen haben. Die dritte Gruppe waren Wiedereinsteiger - zum Beispiel Frauen, die nach der Kinderphase zurück ins Berufsleben möchten." Es müssten in dieser Sache noch dicke Bretter gebohrt werden: "Wenn es uns nicht gelingt in den Köpfen der Menschen zu verankern, dass es Pflegeberufe gibt und die eine Alternative sein können, sind sie für immer für uns verloren." Die Rahmenbedingungen - nicht zuletzt die Bezahlung - müssten besser werden.

(up)