Rheurdt: Pferd vergewaltigt - Rheurdter unter Verdacht

Rheurdt: Pferd vergewaltigt - Rheurdter unter Verdacht

Immer wieder hatte ein Pferdehof nachts ungebetene Besucher. Überwachungskameras filmten schließlich einen Mann, der sich an einer Stute verging.

Louisiana ist ein umgängliches, zutrauliches Pferd. Und wie die zehn Jahre alte Stute auf der Weide mit anderen Pferden herumtollt, könnte man sie für fröhlich und gut gelaunt halten. So langsam kommt Louisiana wieder in den Tritt. Das Tier hat eine schwere Zeit hinter sich. Allem Anschein nach ist es von einem Mann sexuell missbraucht worden. Wie oft, ist unklar. Zweimal wurde er von einer Überwachungskamera gefilmt, als er sich an Louisiana verging, einmal im Oktober 2017, dann am 21. Januar dieses Jahres. Wahrscheinlich suchte der Mann aber schon viel länger immer wieder heimlich den Rheurdter Pferdehof auf, auf dem Louisiana seit vier Jahren lebt.

Vor zwei Jahren gab es erste Anzeichen, dass sich nachts Unbekannte im Stall herumtrieben. "In Louisianas Box standen morgens Hocker, Eimer oder andere Dinge, die dort nicht hingehörten", erzählt Anna Berger (alle Namen geändert), die den Pferdehof betreibt. Gleichzeitig stellte Louisianas Besitzerin Gabi Schlösser Veränderungen an dem Tier fest: "Früher konnte sie nichts erschüttern, plötzlich wurde sie unruhig, schreckte beim leisesten Knistern zusammen."

Im Herbst vergangenen Jahres entschloss sich Anna Berger, Überwachungskameras zu installieren. Die filmten den Sodomisten auf frischer Tat. Berger: "Mir drehte sich der Magen um, als ich das sah." Sie druckte Aufnahmen des Täters aus und verteilte die Bilder an ihre Kunden. Mit deren Hilfe konnte sie den Mann ausfindig machen. Die zwischenzeitlich eingeschaltete Polizei in Geldern hatte ihn parallel dazu ebenfalls identifiziert. Es handle sich um einen 44 Jahre alten Rheurdter, teilte die Kreis Klever Polizei auf Anfrage mit. Gegen ihn werde wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Der Beschuldigte habe sich bisher nicht zur Sache geäußert.

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Das Tierschutzgesetz verbietet es, "ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen". Die beiden Rheurdterinnen befürchten, dass der Mann mit einem mittelprächtigen Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit davonkommt. "Weil er Louisiana nicht festgebunden und äußerlich nicht verletzt hat, handelt es sich nicht um Tierquälerei", sagt Anna Berger. Sie möchte vor allem andere Stallbetreiber und Pferdebesitzer für das Thema sensibilisieren und dazu ermuntern, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Gabi Schlösser ist mit den Nerven fertig. Sie befindet sich in psychologischer Behandlung. "Lange Zeit konnte ich Louisiana nicht mehr satteln und reiten. Wir haben sie so erzogen, dass sie auch zu fremden Menschen freundlich ist. Nur dadurch konnte das passieren. Sonst hätte sie den Mann sonst wohin getreten." Das übernähme die Rheurdterin nun gerne für Louisiana. "Wenn wir uns begegnen würden - ich weiß nicht, ob er das unbeschadet überstehen würde."

(RP)