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Personenaufzüge im Moerser Bahnhof in Betrieb

Nach jahrelangem Umbau : Moerser Bahnhof: Endlich barrierefrei!

Seit drei Wochen sind die Personenaufzüge zum Bahnsteig in Betrieb. Damit ist die Station nach langem Umbau erstmals für jedermann weitgehend ohne fremde Hilfe nutzbar. Das freut nicht nur Menschen mit Geheinschränkung.

Am Moerser Bahnhof fahren seit drei Wochen nicht mehr nur Personenzüge. Ab jetzt transportieren auch Aufzüge die Menschen am Bahnhof: vom Tunnel rauf auf den Bahnsteig. Nach sechs Jahren Umstrukturierung und viel Verzögerung entwickelt sich der Bahnhof hin zu mehr Barrierefreiheit. Wie sehen die Fahrgäste die Modernisierung?

Montagmittag ist auch zu Corona-Zeiten noch einiges los am Bahnsteig. Michelle Schneider braucht fremde Hilfe um ihren Kinderwagen die Bahnhofstreppe hochzuhieven. Auf die Frage, warum sie denn den Fahrstuhl nicht benutzt, ist die Mutter zweier Kinder verwundert: „Ach, seit wann sind die denn da? Die habe ich noch gar nicht gesehen und ich bin oft hier. Das erleichtert ja einiges. Ein paar Schilder würden da helfen.“ Die 23-Jährige sortiert die Kindertaschen in ihrem Wagen, dann schaut sie sich um. „Aber generell sehr langweilig hier. Schön ist was Anderes, da gibt es bessere Bahnhöfe.“

 Mitte Juli haben die Einbauarbeiten in den Aufzugschächten begonnen – Jahre später als geplant.
Mitte Juli haben die Einbauarbeiten in den Aufzugschächten begonnen – Jahre später als geplant. Foto: Jan Skrynecki

Schon jetzt zieren Schmierereien die frisch gestrichenen Wände. Schon lange sind den Fahrgästen auch die dreckigen Treppenaufgänge ein Dorn im Auge. Ein Mann mit drei vollgepackten Einkaufstaschen freut sich aber trotzdem erstmal über die neuen Aufzüge: „Endlich, muss ich meine Einkäufe nicht mehr über die Treppe schleppen. Da kam ich ganz schön ins Schwitzen!“. Er hat es eilig und steigt in den Zug nach Rheinberg.

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Hans Holys aus Marsberg hingegen kann die Freude nicht verstehen, sollten Aufzüge für einen Bahnhof doch Standard sein: „Für ältere Leute und gehbehinderte Menschen ist das sehr wichtig. Manchmal habe ich das Gefühl, dass an die gar nicht mehr gedacht wird.“

 Mehrfach wurde die Inbetriebnahme der Aufzüge verschoben.
Mehrfach wurde die Inbetriebnahme der Aufzüge verschoben. Foto: Jan Skrynecki

Mit einer schweren Reisetasche bepackt kommt der 75-Jährige aus dem Lift. Er hat in Moers eine alte Bekannte besucht. Die schaltet sich ein und erklärt ihm erst einmal die Moerser Bahnhofsgeschichte der vergangenen Jahre: „Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen sind hier lange Zeit gar nicht hochgekommen. Aber gerade hier am Bahnhof sind es ja nicht nur die Älteren. Hier kann jeder schweres Gepäck dabei haben. Und auch Fahrräder oder Kinderwägen.“ Doch dank der neuen Aufzüge ist das jetzt vorbei. „Jetzt wäre nur schön, wenn die Überdachung bis zum Aufzug reichen würde. Da wird man ja pitschnass, wenn es regnet“, stimmen beide zu.

Dass die Aufzüge seit drei Wochen funktionsbereit sind, ist das Ende einer langen Baugeschichte. Stumm und ohne Ankündigung wurden die Lifte der Deutschen Bahn in Betrieb genommen: sechs Jahre nach dem Spatenstich für den neuen Personentunnel und mit eineinhalb Jahren Verzögerung nach dem die Stadt Moers und Enni ihren Teil der Bahnhofsmodernisierung fertiggestellt haben.

Die sogenannten Aufzugsmundhäuser im oberen Teil des Schachts waren nicht komplett betoniert. Die teilweise gemauerten Innenwände machten einen Einbau der Technik erstmal unmöglich. Das war 2018. Im März dieses Jahres wurde die Inbetriebnahme wieder verschoben. Wieder der Grund: technische Mängel. Mitte Juli dann der Baubeginn, Mitte Oktober die Eröffnung. Schlussendlich kann sich der Moerser Bahnhof jetzt barrierefrei nennen und als „Eingangstor zur Stadt“ einen guten Eindruck bei den Reisenden hinterlassen.