Moers: Penguin's Days: Figurentheater inszeniert den "Fall Hamlet"

Moers : Penguin's Days: Figurentheater inszeniert den "Fall Hamlet"

Das Besondere: Schauspieler spielen mit Puppen.

Zwei Totengräber finden mehrere Leichen. Während die beiden noch darüber rätseln, wer die Leichen sein könnten, erwachen diese wieder zum Leben und erzählen eine grausige Geschichte von Mord und Betrug, Intrigen, sexueller Gier und Rache. So beginnt das Stück "Der Fall Hamlet", das am Dienstag im Rahmen des diesjährigen Kinder- und Jugendtheaterfestivals Penguin's Days im Moerser Schlosstheater "für Menschen ab 15 Jahren und Erwachsene" gezeigt wurde. Das Besondere an dem Stück: Nur die beiden Totengräber waren menschliche Schauspieler, alle anderen waren circa 50 Zentimeter große Stabpuppen, die von ihnen geführt wurden und den Puppen gleichzeitig auch ihre Stimmen gaben.

Unter dem Motto "Ey, Puppe" stehen bei den Penguin's Days" in diesem Jahr überwiegend Inszenierungen von Figurentheatern im Mittelpunkt. "Der Fall Hamlet" stammte in diesen Fall von dem Berliner Puppenspieler-Duo Veronika Thieme und Pierre Schäfer, das laut Ankündigung mit seinem Stück der Frage nachzugehen versuchte, ob "der Verlauf des Schicksals nicht durch einen Zufall oder noch so kleinen Eingriff verändert werden kann".

In Shakespeares Drama um den schwermütigen Königssohn Hamlet, der durch den Geist seines ermordeten Vaters erfährt, dass der das Opfer eines Brudermordes wurde, sterben am Ende alle, doch das wollen die beiden Totengräber verhindern. Wenigstens Hamlet soll überleben. Und eventuell auch seine Mutter Gertrud. Die hatte sich zwar schon vor dem Tod ihres Mannes mit dessen späteren Mörder eingelassen, wusste aber angeblich nichts über die familiäre Tat. Doch Hamlet wusste es und hatte seinem Onkel Rache geschworen, erstach dabei aber versehentlich Polonius, den Vater seiner Geliebten Ophelia, die sich daraufhin das Leben nahm und damit eine dramatische Kettenreaktion weiterer mörderischer Intrigen auslöste.

Um es vorweg zu nehmen: Trotz der dramaturgischen Änderungswünsche der beiden Totengräber waren bis auf Hamlets pfiffigen Diener Horatio am Ende alle tot. Kann man dem Schicksal also doch nicht in die Karten pfuschen? Den von den beiden Puppenmacherinnen Suse Wächter und Ulrike Gutbrod mit wunderbar individuellen Gesichtern und ungewöhnlich aufwendigen Kostümen ausgestatteten Stabpuppen ist es jedenfalls nicht gelungen. Dennoch hatten die Zuschauer zwischendurch immer mal wieder die Hoffnung, oder doch zumindest etwas zum Lachen. Zum Beispiel, wenn Hamlet in seiner Tragik immer wieder süchtig an einer Zigarette zog. Vor allem das tolle Spiel des gleichzeitig als Schauspieler agierenden Puppenspielerduos Thieme/Schäfer machte das Stück zu einer köstlichen Mischung aus Komik und Tragik, an dem wahrscheinlich auch Shakespeare selber seine Freude gehabt haben dürfte.

Die nächste Abendvorstellung im Rahmen des diesjährigen Moerser Kinder- und Jugendtheaterfestivals "Penguin's Days" findet am Donnerstag wieder im Schlosstheater statt. Dort zeigen die "Thalia Kompagnons" aus Nürnberg ab 19.30 Uhr für Zuschauer ab 14 plus das Figurentheaterstück "Macbeth für Anfänger". Der Eintritt für Jugendliche beträgt 3,50 Euro, der für Erwachsene 7 Euro.

(lang)
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