Moers: Open Data: Die Stadt wird transparent

Moers: Open Data: Die Stadt wird transparent

Das Offenlegen von kommunalen Daten im Internet ermöglicht jedem Bürger die Teilnahme am öffentlichen Diskurs.

Während die Durchleuchtung des Bürgers, insbesondere im Zuge der NSA-Affäre 2013, als negativ empfunden wurde, möchte die Stadt zukünftig noch transparenter für die Moerser werden: Mithilfe von "Offenen Daten" (auch "Open Data") werden seit mittlerweile vier Jahren Informationen, die nicht besonders geschützt werden müssen, im Internet bereitgestellt.

Mit der Idee, die Bürger an der Arbeit der Kommunen teilhaben zu lassen, ist die Stadt Moers ein echter Vorreiter. Insgesamt war sie deutschlandweit unter den ersten zehn Städten, die "offene Daten" im Internet angeboten haben. Gemeint sind damit Informationen von öffentlichem Interesse, die aber nicht persönlich oder urheberrechtlich geschützt sind. "Wahlergebnisse, Umfragen oder Vermessungen erheben wir beispielsweise selbst und die dürfen auch veröffentlicht werden", sagt Claus Arndt von der Stadt.

Ziel ist es dabei, einen öffentlichen Diskurs zu bestimmten Themen für jedermann zu ermöglichen. "Komplexe Inhalte sollen so niederschwellig dargestellt werden, dass sich jeder beispielsweise mit den Haushaltszahlen auseinandersetzen kann", sagt Sprecher Klaus Janczyk. Doch dafür ist die Stadt auf ehrenamtliche Technikfreunde angewiesen.

So haben sich zum Beispiel Freiwillige unter dem Namen "Code for Niederrhein" zusammengetan. Das Ergebnis der Zusammenkunft ist eine Grafik, die die Wartezeiten an verschiedenen Wochentagen im Bürgerservice zeigt. Des Weiteren kann der Nutzer hier erkennen, welche Nummer als Nächstes aufgerufen wird und wann der nächstmögliche Termin zur Beantragung eines neuen Personalausweises ist. Die Grafik ist auch vom Smartphone aus einsehbar. "So kann man in der Zwischenzeit einen Kaffee trinken gehen", sagt er.

Die Entwickler kommen dabei ganz alleine auf die Ideen. "Draußen steckt ein starkes kreatives Potenzial", sagt Arndt. Hätte die Stadt für die grafische Umsetzung der Wartezeiten im Bürgerservice jemanden beauftragt, hätten tausende von Euro in die Hand genommen werden müssen. "Es gibt viele Menschen, die Spaß daran haben zu programmieren", sagt Arndt. So können sie sich auf diese Weise ehrenamtlich engagieren und sich über ein öffentliches Lob freuen.

Angst, dass durch das Offenlegen der Funktionsweise des Bürgerservice und anderer Daten ein erhöhter Arbeitsdruck entstehe, habe die Stadt nach Janczyk nicht: "Es trägt eher zur Entzerrung bei, damit die Bürger nicht stundenlang dort rumsitzen müssen und dann schlechte Laune bekommen."

Häufig sind aber andere Ängste mit der Digitalisierung verbunden: "Viele tun sich schwer mit den negativen Randerscheinungen der Digitalisierung", sagt Arndt. Besonders der Datenmissbrauch werde als Problem gesehen. So befürchten manche, dass Rechtsradikale durch das Veröffentlichen der Migrationsstatistik sehen, wo die meisten Migranten in Moers leben. "Jeder kann etwas Böses aus bestimmten Dingen ziehen, dafür braucht er die Daten der Stadt nicht", sagt Arndt.

Viel schlimmer sei die "Nicht-Herausgabe" von Infos, wodurch Daten verschleiert werden. "Wir sind für offene Daten und setzen damit ein klares Signal, dass wir nichts zu verstecken haben", sagt Arndt. Dazu brauche man ein bisschen Mut und Risikobereitschaft. Für die Zukunft sei es wünschenswert, dass so viele Kommunen wie möglich Daten offen zur Verfügung stellen. "Open Data wird sicherlich in die Fläche gehen", sagt Claus Arndt. Mit dem geplanten Open Data Gesetz in NRW für 2018 könnte das tatsächlich relativ schnell passieren.

Die Stadt Moers hat da schon eine "digitale Evolution" hinter sich und plant für das nächste Jahr, einen "Hackspace" im Bildungszentrum einzurichten. "Hier können sich Menschen dann treffen, um zu programmieren und sich auszutauschen", sagt Arndt. Außerdem sollen unterschiedliche Programme und Vorträge die Stadtgesellschaft "stärker ins Boot" holen und Unsicherheiten nehmen. "Unsere Aufgabe ist es Bürgerinnen und Bürger zu begleiten und Fragen zu klären", sagt Arndt.

(jms)