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Kamp-Lintfort Ökumene in Gefahr

Kamp-Lintfort · Eine Schließung der St.-Paulus-Kirche würde auch die evangelische Gemeinde im Niersenbruch tangieren. Ökumenische Gottesdienste würde es nicht mehr geben. Das evangelische Paul-Gerhardt-Haus wird verkleinert.

Eine mögliche Schließung der St.-Paulus-Kirche scheint auch Mitglieder der evangelischen Gemeinde im Niersenbruch nicht kalt zu lassen. „Eine Schließung wäre für den Niersenbruch sehr tragisch und nicht nachvollziehbar“, sagt RP-Leserin Sabine Vogel, die der evangelischen Gemeinde angehört. Allerdings scheinen sich die Indizien für eine mögliche Schließung der St.-Paulus-Kirche im Niersenbruch, wie die RP gestern berichtete, weiter zu verdichten. Offiziell äußern wollte sich dazu jedoch auch gestern niemand.

Als Folge der vor gut drei Jahren vollzogenen Kirchenreform soll wohl mindestens eine Kirche in der neuen Katholischen Pfarrgemeinde St. Josef geschlossen werden, sagt ein Gemeindemitglied. Dabei soll die Wahl inoffiziell bereits auf St. Paulus gefallen sein. Der Hauptgrund seien die hohen Sanierungskosten für das Kirchendach. Zudem steht die 1971 fertiggestellte St.-Paulus-Kirche nicht unter Denkmalschutz, könnte also im Gegensatz zu denkmalgeschützten Gotteshäusern in der Pfarrgemeinde St. Josef abgerissen werden. Eine nicht unerhebliche Tatsache, zumal sich nach einer möglichen Schließung die Frage stellen dürfte, was mit dem dann brach liegenden Gelände passiert.

Abriss rentabler

Pikant: Mögliche Abrisskosten der St.-Paulus-Kirche sollen höher sein als eine Sanierung des Kirchendaches. „Das würde sich allerdings bei einem Verkauf des weitläufigen Areals rechnen“, sagt ein Mitglied der Gemeinde. Bei dem Kirchengelände handelt es sich um sehr attraktives Bauland. „Aber die Schließung ist noch längst nicht beschlossen. Der mögliche Abriss und Verkauf sind reine Spekulation“, ergänzt das Gemeindemitglied. Von der Schließung wären besonders ältere und behinderte Menschen betroffen, die nicht einfach in eine andere Kirche zum Gottesdienst ausweichen könnten. Zumal fehle besonders sonntags eine gute Busanbindung im Niersenbruch. „Viele würden dann nicht mehr in die Kirche gehen“, mutmaßen „Paulaner“.

Auch die evangelische Kirche im Niersenbruch wäre von einer Schließung der katholischen St. Paulus Kirche indirekt betroffen, zumal das ebenfalls sanierungsbedürftige evangelische Paul-Gerhardt-Haus an die Pfarrei St. Paulus angrenzt. In St. Paulus finden seit einiger Zeit ökumenische Gottesdienste statt. Sabine Vogel sagt, es würde Sinn machen, über eine gemeinsame Nutzung des Gotteshauses nachzudenken. „Allerdings muss über ein gerechtes Teilen des katholischen Gemeindehauses und der Kirche für Gottesdienste beider Konfessionen nachgedacht werden“, sagt Vogel. Der evangelische Pfarrer Peter Muthmann findet die Idee zwar gut, verweist aber darauf, dass auch die evangelische Kirche kein Geld für solche Pläne habe. „Wir könnten hier ein ökumenisches Feuerwerk abbrennen, aber die nötige Kohle zum Anzünden fehlt leider.“ Auch in seinen Augen wäre die Schließung der Kirche ein schwerer Schlag für die Gemeinde.

(RP)