Obdachlosentreff auf Moerser Friedhof – neue Bänke sollen Problem lösen

Ärger in Moers : Obdachlosentreff auf Friedhof – neue Bänke sollen Problem lösen

Die Bänke soll den Theater-Bauwagen ersetzen, der derzeit zum Unterstellen von Stühlen genutzt wird. Anwohner kritisieren die Standortwahl.

Erst wurden sie abmontiert, weil die Nutzer zu laut waren; jetzt stehen sie wieder, damit sie genutzt werden: zwei Sitzbänke aus Holz, unmittelbar vor der kleinen Kapelle an der Rheinberger Straße.

Im Streit zwischen Anwohnern und Stadt um einen Obdachlosentreff auf Moers’ ältestem Friedhof sucht die Verwaltung weiter nach Lösungen. Die Bänke sollen den Bauwagen, der Anfang September abgebaut wird,  als Sitz- beziehungsweise Möbellagermöglichkeit ersetzen. Allein bei den Bürgern, die sich vor allem durch Lärm belästigt fühlen, kommt das Bemühen nicht so recht an. Sie hätten die neuen Sitzgelegenheiten lieber weiter entfernt von der Kapelle – im Bereich Rheinberger Straße/Mühlenstraße – gesehen.

Man habe mit Bürgermeister Christoph Fleischhauer viel über die Verbesserung der Situation um die alte Kapelle herum gesprochen und eigentlich auch eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung gefunden, heißt es. Jetzt habe der Verwaltungschef allerdings eine Entscheidung getroffen, die allein im Interesse der Wohnungslosen liege und sich gegen die Anwohner und Parkbenutzer richte.

Zur Erklärung: Rund um die Kapelle an der Rheinberger Straße, die vom Schlosstheater als Bühne genutzt wird, befindet sich der älteste Friedhof der Stadt. Rund 70 zum Teil fast 500 Jahre alte Grabsteine stehen dort. Dass sich auf diesem historisch besonders wertvollen Stückchen Moers regelmäßig Obdachlose aufhalten, die dort auch Alkohol und Drogen konsumieren, sorgt bei einigen Moersern für Unbehagen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich mehrere Bürger in der Redaktion gemeldet. Im Frühjahr/Sommer 2018 gab es deshalb Gespräche zwischen der Stadt Moers und den Kirchengemeinden. Auch Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb erhielt Anwohner-Post. Gefordert wurde unter anderem ein Abtransport des Bauwagens, der zum Theater gehört und von den Wohnungslosen zum Unterstellen von Stühlen genutzt wird.

Rechts neben der Kapelle an der Rheinberger Straße stehen jetzt zwei Sitzbänke. Überlegt werde auch, einen kleinen Unterstand in einem anderen Bereich des Parks zu bauen, sagt Stadtsprecher Klaus Janczyk.  „Außerdem haben sich Menschen aus dem ehrenamtlichen Bereich bereit erklärt, vor Ort nach dem Rechten zu schauen.“. Foto: Julia Hagenacker

„Die Standortentscheidung für die neuen Bänke wurde letztendlich unter Einbezug diverser Kriterien im Fachbereich ,Grün’ getroffen“, sagt Stadtsprecher Klaus Janczyk. „Zum einen sollten die Bänke nicht sichtbar an der Straße stehen, weil die Leute dort in der Vergangenheit öfter aus Autos heraus beschimpft wurden. Sie sollten aber auch einen Abstand zur Wohnbebauung haben und zusätzlich durch die Bäume einen gewissen Wetterschutz bieten.“ Grundsätzlich, betont der Stadtsprecher, sei die Haltung der Stadt klar: „Der Bereich rund um die Kapelle ist für alle Menschen da, so lange sie keine Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten begehen. Wir nehmen das Problem ernst, können dort aber niemanden vertreiben, nur weil den ein oder anderen der Anblick stört.“

Mehr von RP ONLINE