NKM begrüßt den Lenz in Moers mit Linzer Sinfonie.

Klassik in Moers : NKM begrüßt Lenz mit Linzer Sinfonie

Das Niederrheinische Kammerorchester Moers gab ein gefeiertes Konzert, in dem es Werke von drei Komponisten der Wiener Klassik spielte. Zwei junge Solistinnen überzeugten an der Querflöte.

350 Besucher waren am Sonntagabend begeistert. Mehr als drei Minuten lang klatschten sie intensiv, um sich beim Niederrheinischen Kammerorchester Moers (NKM) zu bedanken. Das hatte im Rheinkamper Kulturzentrum mit seinem Frühjahrskonzert den Lenz wunderbar begrüßt. Diesmal hatte es sich Werke von Komponisten der Wiener Klassik ausgesucht, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts europaweit den Musikgeschmack prägte. Der bekannteste von ihnen ist Wolfgang Amadé Mozart (1756 bis 1791), wie er sich selbst nannte. „Er ist der zukunftsweisendste Komponist dieser Epoche“, sagte Michael Preiser als Leiter des Kammerorchesters. Vor ihm spielte das 35-köpfige Orchester, das von acht Düsseldorfer Bläsersolisten unterstützt wurde, die Sinfonie Nr. 36 C-Dur, Köchelverzeichnis 425. Diese ist besser unter „Linzer Sinfonie“ bekannt, weil der Komponist sie während eines kurzen Zwischenstopps im oberösterreichischen Linz in nur vier Tagen schrieb.

Diesen Stopp hatten Wolfang Amadé und Constanze Mozart eingelegt, nachdem sie zuvor in Salzburg gewesen waren, wo sie ein Jahr nach ihrer Hochzeit frostig von Vater Leopold Mozart empfangen worden waren. Seine ambivalenten Gefühle verarbeitete der Komponist in seiner Sinfonie in vier Sätzen, in dessen erstem zum Beispiel Liebe und Sehnsucht aufeinandertreffen. Oder im zweiten formte er zwei gegensätzliche Themen aus, um Differenzen zu zeigen, die auch zwischen seinem Vater und ihm bestanden. Vom Niederrheinischen Kammerorchester Moers wurden diese gegensätzlichen Gefühle und Themen einfühlsam herausgearbeitet. Gegensätze, die es zwischen dem Komponisten und seinem Vater gab, wurden als Legenden auf das Verhältnis zu ihm und Antonio Salieri (1750 bis 1825) übertragen, um bis heute das Bild zu verzerren, etwa im Film Amadeus von 1984. „Salieri war Hofkomponist und hatte in Wien eine gehobene Stellung“, sagte Michael Preiser. „Er hat Mozart geschätzt und sich für ihn eingesetzt. Leider wurden falsche Informationen kolportiert. Seine Reputation ist fast vollständig ruiniert, sein Werk in Vergessenheit geraten.“ Das Orchester gab klangvoll die Sinfonia Veneziana, die für Salieris Idee der „Musik der Empfindungen“ steht. Das Konzert für zwei Flöten und Orchester in G-Dur von Domenico Cimarosa (1749 bis 1801) komplettierte den Abend der Wiener Klassik, der zur städtischen Konzertreihe gehörte. Darin brillierten die jungen Flötistinnen Maria Jarovaja und Nadja Frey. Die beiden, die Musik studiert haben und in verschiedenen Orchesterprojekten aktiv sind, waren unglaublich aufeinander eingespielt, wie auf das Orchester. Schnell eroberten sie mit ihrem Flötenspiel die Herzen der Besucher.

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