Niederrheinisches Kammerorchester begeistert in Moers.

Moers : Kammerorchester lässt im Kulturzentrum die Vögel singen

Das „Herbstkonzert“ des Niederrheinischen Kammerorchesters Moers am Samstagabend im Kulturzentrum Rheinkamp stand im Zeichen der Vogelstimmen. Unter der musikalischen Leitung von Michael Preiser spielte das Kammerorchester, das wie immer durch ausgezeichnete Bläserstimmen verstärkt worden war, dabei überaus unterschiedliche und abwechslungsreiche Kompositionen.

So war zu Konzertbeginn die Suite „Gli Uccelli“ (Die Vögel) des italienischen Komponisten Ottorino Respighi zu hören. In seiner fünfsätzigen Suite greift Respighi auf alte italienische Lieder und Melodien zurück und verbindet sie humorvoll mit musikalischen Vogelimitationen. So sind im Anschluss an ein barockes „Preludio“ in den weiteren Sätzen das Gurren der Taube, das Gackern und Krähen von Hühnern und Hähnen, der Gesang der Nachtigall sowie der Ruf des Kuckuck zu hören, ehe die Suite schließlich mit der erneuten Aufnahme des barocken Themas endet. Einen völlig anderen musikalischen Charakter hatte hingegen die kunstvolle Violinromanze „The Lark Ascending“ (Die aufsteigende Lerche) des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams, die die hochschwangere Solistin Agnes Izdebeska-Goraj im Anschluss mit wunderbar elegischen, luftigen und schwebenden Klängen eindrucksvoll interpretierte. Der Titel der spätromantischen Violinromanze geht auf ein Gedicht des englischen Dichters George Meredith zurück. Wie der englische Dichter in seinem Gedicht, so beschreibt auch Ralph Vaughan Williams in seiner Komposition mit kurzen und sich steigernden musikalischen Motiven in der Solovioline das anmutige Aufsteigen der Lerche, die sich immer höher in die Lüfte erhebt. So wie die Lerche erhebt sich auch die Solovioline zunehmend freier über das Orchester, das vollständig in den Hintergrund tritt. Nach einer kurzen Pause waren dann zunächst die „Zwei elegische Melodien für Streicher op. 34“ des Norwegers Edvard Grieg zu hören. Die beiden Musikstücke „Herzwunden“ und „Letzter Frühling“ hatte Grieg ursprünglich nach Gedichten seines Landsmannes Aasmund Olafsson Vinje als Lieder für Singstimme und Klavier komponiert, bearbeitete sie jedoch später für Streichorchester. Das NKM spielte die beiden kurzen romantischen Kompositionen ausgesprochen schwelgerisch und mit viel Melancholie. Nach den beiden Melodien von Edvard Grieg war zum Abschluss des Konzertes mit dem „Cantus Arcticus op. 61“ des Finnen Einojuhani Rautavaara ein weiteres Werk eines Skandinaviers zu hören.

Der 2016 verstorbene Rautavaara komponierte sein „Cantus Arcticus“ 1972 als dreisätziges „Konzert für Vogelstimmen und Orchester“. Es übernimmt kein Instrument die Solopartie, sondern Tonbandaufnahmen von Vogelstimmen, die der Komponist am Polarkreis und im Sumpfland Nordfinnlands aufgezeichnet hat. Sind im ersten Satz ein Vielzahl unterschiedlicher Vogelstimmen zu hören, die überraschend gut mit dem Orchester harmonieren, so legt sich im zweiten Satz der sehnsuchtsvolle Schrei der Ohrenlerche über die sanften Streicherklänge. Das Publikum bedakte sich mit viel Beifall.

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