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Neukirchen-Vluyn: Landwirte-Sprecher erklärt die Proteste der Bauern

Bauernproteste am Niederrhein : „Wir wollen nicht die Buhmänner sein“

Milchbauer Johannes Leuchtenberg unterstützt die aktuellen Bauernproteste. Er fürchtet um seine Zukunft und wünscht sich mehr Verständnis für die Probleme der Landwirte.

„Wir haben das Gefühl, keiner will mit uns reden“, fasst Johannes Leuchtenberg die Stimmung der Landwirte zusammen. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel sieht den Berufsstand vor einer Krise und findet harte Worte für die Zukunft der Landwirte: „Wir haben keine Perspektive.“

Bereits in den vergangenen Jahren habe die Bundesregierung vieles beschlossen, das die Bauern belaste. Laut Leuchtenberg wissen die deutschen Landwirte oftmals nicht, wo sie damit anfangen sollen, die Auflagen zu erfüllen. Besonders die Bürokratie mache ihnen zu schaffen, die Auflagen seien zu zeitaufwändig. Außerdem kritisiert der Milchbauer, dass Produkte aus dem Ausland, die weniger hohe Standards – beispielsweise in Sachen Umweltschutz – erfüllen müssen, in Deutschland günstiger verkauft werden als heimische Produkte.

Es überrasche ihn daher nicht, dass die Landwirte sich nun gegen die Regierung auflehnen und ihre Kritik lautstark äußern. „Wir produzieren in Mitteleuropa die hochwertigsten Lebensmittel der ganzen Welt, aber wir haben ein geringes Einkommen und arbeiten weit mehr als 40 Stunden pro Woche. Da ist irgendwann das Maß voll.“ Es wundere ihn beinahe schon, dass das erst jetzt der Fall ist. Im September hatten sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf ein Agrarpaket geeinigt. Seitdem hat es mehrfach bundesweite Proteste der Bauern gegeben, die sich von den Beschlüssen unter Druck gesetzt fühlen.

Leuchtenberg kritisiert vor allem die geplanten neuen Regelungen zu Insektenschutz und Düngeverordnung. Die Landwirtschaft werde alleine für das Insektensterben verantwortlich gemacht, findet er. Es könne sein, dass sie einen Anteil daran habe, „aber die ist es bei Weitem nicht allein“, sagt er. Auch die Windkraftanlagen und die Strahlung von Handymasten stünden im Verdacht, zum Insektensterben beizutragen. Dies sei im Agrarpaket aber nicht beachtet worden. Leuchtenberg wünscht sich daher mehr Forschung in dem Bereich statt neuer Auflagen für die Bauern. Gleichzeitig betont der Sprecher der Weseler Bauern, dass die Landwirte bereit seien, etwas für den Insektenschutz zu tun. Nicht zuletzt, da besonders Obstbauern für ihre Ernte auf die Tiere angewiesen seien. „Aber wir sind nicht bereit zu akzeptieren, dass wir die Buhmänner sind.“

Die neue Düngeverordnung könne den gesamten Niederrhein belasten. Zum Schutz der Umwelt und des Grundwassers sieht die neue Verordnung strengere Regelungen zum Düngen vor. Nitrat- und Stickstoffwerte sollen so kontrolliert werden. Leuchtenberg kritisiert, durch die neuen Vorgaben könnten Landwirte ihre Pflanzen nicht mehr bedarfsgerecht düngen. Das sei ineffektiv und würde dazu führen, dass die Pflanzen „verhungern“.

„Das größte Problem ist, dass wir immer von allen an den Pranger gestellt werden, dass wir die Bösen sind“, sagt Leuchtenberg. Er spricht sogar von „Hetzte“ gegen die Landwirte. Seine Forderung an die Politik: „Hört unseren Problemen zu. Redet mit uns, nicht immer nur gegen uns.“ Grund zu der Hoffnung, dass das demnächst geschieht, sieht Leuchtenberg derzeit nicht. „Frau Klöckner will zwar mit uns reden, aber sie macht nichts. Es gibt immer nur hohle Phrasen“, kritisiert er. Deswegen steht er hinter den Bauernprotesten der letzten Wochen und ist entschlossen, so lange zu demonstrieren, bis sich etwas ändert.